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2021-08-17 06:31:17, Jamal Tuschick

Nach dem Sex, es war einmal wieder nichts Besonderes, schläft Ludwig sofort ein, während seine Frau geistert. Sibylle schleicht sich in die Küche ihres Ferienquartiers. Sie denkt an Evas feinfühligen Mann. Oh Wunder, Stefan wartet in der Küche und wird auch gleich poetisch, wie zum Ausgleich für Ludwigs schwunglose Routine.

„Die Zypressen schützen das Haus gar nicht vor dem Wind“, melodramatisiert Stefan, bevor er in der Rolle des Fürsorglichen aufgeht. Sibylle betrachtet „seine muskulösen feinnervigen Hände“. Sie erhöht ihn und setzt sich herab. Es vollzieht sich ein klischeehafter Reigen in der Regie einer unoriginellen Realität. Sibylle sucht den Seelenswing mit dem Musischen, nach der Nummer mit ihrem Pragmatiker. Nur, geheiratet hat sie einen Ludwig und eben keinen Stefan.

Tanja Langer, „Kleine Geschichte von der Frau, die nicht treu sein konnte“, Roman, Mitteldeutscher Verlag, 18,-

Gefühlsfaulheit

Die nächtliche Tagung zieht sich hin. Dann ist man wieder in Deutschland. Bonjour tristesse, aber Hallo. Eva sieht ihren Mann mit anderen Augen als die schwärmende Sibylle. Ist Stefans Geduld (ihrem eskapistischen Liebesleben gegenüber) nicht in Wahrheit bloß Gefühlsfaulheit? fragt sie sich in einer undurchsichtigen Gemengelage zwischen Karl, einer Nebenkonstanten, und dem „außerordentlich intelligenten und ehrgeizigen Zeitungsschreiber Martin Wildeman“, mit dem sie Eruptionen erlebt, so wie in keiner ihrer stabilen Beziehungen.

Martin bietet Eva „Aufregung, der reinen Chemie, der Erschütterung ... all die sorgsam erarbeitete Nähe (zu Stefan)! All die Mühen, sich zu verstehen! Sie (zerbröseln) in einem solchen Moment der Erregung“.

Eva fühlt sich so stark zu Martin hingezogen, dass sie ihm seine Zurückhaltung beinah nicht verzeiht. Er will nicht einfach so alles stehen und liegen lassen und mit ihr durchbrennen.