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2023-12-24 13:08:24, Jamal

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Ōtomo no Tabito … galt für sehr klug, aber schwer zu behandeln, und überwarf sich jedenfalls mit den regierenden Hausmeiern, den Fujiwara, die ihn schließlich verbannten. Er behielt aber den Titel eines ersten Rates.“  

Ōtomo no Tabito war einer der Sechsunddreißig Unsterblichen der Dichtkunst

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„Was da wie Exkremente aussieht, ist gewisslich nur irgendein Gespei aus Trunkenheit meines älteren Bruders, des Erhaben-Göttlichen.“  Zitiert nach Paul Adler/ Michael Revon, „Japanische Literatur. Geschichte und Auswahl von den Anfängen bis zur neusten Zeit“, Quelle

In den 1990er Jahren © Jamal Tuschick

Kurfürstlicher Auftrag

Mit Amerika hatte man nicht gerechnet. Der Kontinent lag einer überkommenen Vorstellung von Welt und Handel im Weg. Nachdem klar geworden war, dass Kolumbus nicht in Westindien gestrandet war, erwarteten Kapitäne auf großer Fahrt einen Durchgang zum Pazifik zu entdecken.

Zwischen dem Start (Spanien/Portugal) und dem Ziel (den Gewürzinseln/Molukken) war nicht nur viel mehr Wasser, sondern auch viel mehr Land als erwartet. Als nun Juan Díaz de Solís nach einer Liebespleite an Melancholie erkrankt 1515 sein Schiff in eine Riesenbucht der südlichen Ostküste Amerikas steuerte, glaubte er die Wasserstraße seines Ruhms erreicht zu haben. „Entdeckt“ hatte er den Río de la Plata: ein Mündungsbecken. Überlebende der Mannschaft nannten die Gegend in ihren Erinnerungen „ungastlich“. Die örtliche Bürgerwehr begrüßte Solís. Das überlebte der Besucher nicht. Cornelius Kammschneider macht daraus eine Oper:

„Mit dem Stolz des Entdeckers gab Solís dem Fluss seinen Namen: Río de Solís. Kaum aber hatte er den Fuß auf Land gesetzt, fingen die wilden, das Ufer verrödelnden Charrúa hinterlistig den Unglücklichen. Sie brieten und aßen ihn vor den Augen der in einer Schaluppe in vorläufiger Sicherheit zurückgebliebenen Gefährten. Irritiert überließ die führerlose Flotte das unfreundliche Ufer seinem Schicksal.“

Das unfreundliche Ufer; das ist wieder ein typischer Kammschneider. Dieser Kasseler Schriftsteller, Gelegenheitspoet, Hobbyornithologe und Amerikaexperte verkörperte die nordhessische Romantik wie kein zweiter. Er sichtete die landgräflichen Archive im kurfürstlichen Auftrag. Wilhelm II. (1777 - 1847) engagierte den Pseudo-Enzyklopädisten als Geschichtsschreiber. An fast allen epochalen Unternehmungen der Neuzeit waren Hessen beteiligt. Wilhelm wollte ihnen ein Andenken sichern.   

Kammschneider ignorierte, dass Solís nicht in der Einsamkeit eines versprengten Spießbratens starb. Mit ihm starben sein Führungsstab und der Liebeskummer.

Zu jener Zeit wollten alle dahin, wo der Pfeffer wächst - hin zu den Gewürzinseln. Weiterhin richteten sich königliche Erwartungen auf den „Seeweg nach Indien“. Kapitäne erkundeten die südamerikanische Ostküstenlinie. Die monumentale Mündung hieß noch Solís-Fluss, als Sebastian Cabot sie zum Ankerplatz bestimmte. Er verbrauchte das Holz von zwei Schiffen für ein Fort, dann stürzte er sich in die Erkundung des Uruguay, mit der Hoffnung, der Uruguay gestatte die Durchfahrt vom Atlantik zum Pazifik. Milizen zwangen Cabot in sein Fort, beleidigt schlug er die Tür hinter sich zu. Er fühlte sich unverstanden von den ebenso bornierten wie rückständigen Hinterwäldlern. Cabot folgte dann dem Zwillingsstrom des Uruguay, dem Río Paraná. In die Gegend von Cara-Cara (heute Río Tercero) stellte Cabot vorausschauend das nächste Fort. Der Festungsbau zog die Stämme der Umgebung zusammen, die Spanier waren so exotisch wie Aliens auf einer Lichtung. Da kommen Blechkameraden in den Wald und bauen erst einmal einen Riesenzaun um ihre Scheißhäuser. Wie verrückt sind die denn.

Die Einheimischen tauschten Gold und Silber gegen Abfall. Cabot vermutete sein Eldorado direkt vor der Palisade. Den Solís-Fluss“ benannte er in Rio de la Plata (Silberfluss) um. Das war ein Propagandacoup. Indem Cabot sich beeilte, in Spanien Erwartungen hochzuschrauben, machte er „die Welt um eine Täuschung reicher“. (C. Kammschneider)

Alter Adel versus neues Geld. Der im Blutrausch der Konquistadoren abgestaubte Raubritter- und Aufsteigerreichtum verschob in Spanien die Gewichte. Sprösslinge großartiger Familien kriegten Konkurrenz von Hinz und Kurz. Söhne von Reinigungskräften spielten plötzlich mit. Neue Allianzen boten sich an. So verstehe ich die Verbindung zwischen Cabot und Pedro de Mendoza. Mendoza war nicht einfach nur „reich“. Sein Gruß kam einer Beförderung gleich.

Mendoza war Oberschenk der spanischen Krone. Er konnte seine eigene Flotte auf den Grund des Meeres schicken, ohne Pleite zu gehen. Am 24. August 1534 spuckte Mendoza zum letzten Mal in das Hafenbecken von Sevilla. Er startete mit vierzehn „stolzen Gallionen“ (Kammschneider) und hundertfünfzig Deutschen (und Holländern) an Bord. Insgesamt brachte Mendoza zweiundsiebzig Pferde und die Blüte seines Landes in die Neue Welt und einen schon auf der Reise um die Ecke. Mit ihm fuhren zweiunddreißig Mayorazgo - blanker Uradel. Neue Vermögen setzten die Superaristokraten unter Druck. Da wäre mancher lieber zuhause geblieben und hätte von zu viel Förmlichkeit Abstand in der Geheimbar Zum roten Papagei genommen.

Mendoza hatte einen Freibrief. Ihm waren vom Kaiser Länder versprochen. Er lebte mit der Aussicht auf Prämien „für jeden erschlagenen oder ergriffenen Kaziken.

Der Neid segelte mit. Achtzehn Missionare und dreitausend gemeine Männer zählte der Zug außerdem. Ein Sturm zerstreute die Schiffe. Dazu morgen mehr.