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2024-01-28 09:17:44, Jamal

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© Jamal Tuschick

Der Schädel des Triceratops

Da steht Salvatore, das Wohlwollen des Wirts berauscht die Gäste. Ein Schlager, den Tanja und Wayne sonst ignorieren würden, steigert das Glück im Augenblick. Wollt ihr noch was? Ich kann nicht noch, aber wenn du. Aber du willst lieber zum Strand, sobald der italienische Moment sich erschöpft hat. In dieser Sekunde wünscht sich Wayne eine Ewigkeit zum Leben.

Das Bett ist frisch bezogen, die Nacht dient der Tageshitze als Speicher. Tanja steigt versiert zu Wayne in Oma Wagners Witwengruft. Sie muss früh raus wegen eines Jobs in der ambulanten Altenpflege.

Beim solistischen Frühstück auf dem Balkon memoriert Wayne eine Phase, in der er im Bademantel seine Nachtasyle abgeklapperte. Das war verrückt, denkt er. Wenn man Geld hat, werden einem die Erscheinungen des Wahnsinns als Grillen ausgelegt. Unter ihm kreuzt die neue Erzieherin auf. Sie sucht ihr Feuerzeug, Wayne nutzt die Gunst der Stunde. „Achtung“, sagt er, bevor er sein Feuerzeug über die Brüstung fallen lässt. Der Griff ins Leere, das Ding landet neben der Sitzmauer auf dem Beton.

Die Erzieherin sieht zu ihm auf, und Wayne hört sich fragen: „Kaffee?“

Noch am selben Nachmittag zeigt er Karolin einen Bund, an dem kein Schlüssel hängt, dessen Schloss noch existiert. Mit den Schlössern sind viele Türen verschwunden, aber die Häuser stehen noch alle. Karolin entdeckt den Schädel des Triceratops, den Wayne lebend gesehen haben will, kurz vor dem Einschlag. Der Schädel ist dem Senckenberg Museum abhandengekommen.

*

Wayne trägt Müll zu den Tonnen. Paula steht vor ihrem Beet im Hof.  

„Erinnerst du dich an den Eisen-Leiser in der Heidestraße? Er sang im Innungschor der Bäcker, gelitten wegen der Obermeisterschaft seines Vaters.“

Wayne erinnert sich. Der junge Leiser war ein Verehrer seiner Mutter und ihrer Schwester, seine ambivalente Zuneigung blieb in Jahrzehnten Thema. Die Wagner-Schwestern schätzten ihn in ihrer Brautblüte, er kam infrage. Bis heute gewährt Leiser den Wagnerinnen einen besonderen Rabatt. Da geht die Minne weiter. Seine Frau arbeitet im Geschäft, ihr kann die Unterströmung nicht entgangen sein. Wayne denkt an einen Mann im Kittel, umsichtig, leise, überlegen. Die Meister singen immer noch jeden Mittwoch in der Burggaststätte. 

Traktor kommt auf den Hof. Er wolle zu Sprotte, Pech gehabt. Traktor heißt so nach seiner Landmaschine. Den ZT 320 hat er als Souvenir aus Brandenburg mitgebracht. Der Traktor steht in einer Remise an der Bornemann Avenue. Da war einmal ein Fuhrpark. Unter dem Grundstück läuft ein Bach, er spült auf nach schwerem Regen. Traktor ist von seiner stinkreichen Familie in einer Bank deponiert worden. Zum Dienst am Empfang fährt er im Porsche.