Genealogisch geschlossener Zopf
Was zuvor geschah
Hille und Jochen Ricklef tragen schon vor ihrer Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen. Sie sind zig-fache Ur-Cousine und -Cousin. Den genealogisch geschlossenen Zopf verlängern sie selbstverständlich in ausufernden Verflechtungen. Man spricht von Endogamie und Ahnenschwund. Der Ricklef-Klan lebt als friesische Minderheit auf einer Insel im baltischen Küstenbogen. Ihre Leute sprechen immer noch (auch) Öömrang – Amrumer Friesisch. Um die Identität und den Grundbesitz nicht an die „Ostseestallhasen“ zu verlieren, heiratet man fast ausschließlich in der eigenen Enklave. Der Name Ricklef wird ununterbrochen weitergegeben.
Auf Spiekeroog und den Halligen bestehen oft nur eine Handvoll Familiennamen. In isolierten Alpentälern gibt es Dörfer, in denen 80 % der Einwohner denselben Nachnamen tragen.
Hille und Jochen sind genetisch über zig Linien miteinander verwoben. Auf einem felsigen Gugelhupf nahe Rostock spinnen sie das Garn einer epischen Familiensaga, begründet anno 1789 von dem Amrumer Harpunier Hark Ricklef.
Sie sind Kinder der DDR. Hilles demokratisches Gedächtnis bewahrt auch Märchen, Mythen und Sagen aus der Mecklenburger Bucht zwischen Lübeck und Rostock, inklusive Wismar, Poel und dem Darß. Historisch spricht man von der Wendischen See, wegen der wendisch-slawischen Stämmen, die hier siedelten. Hilles Skipperhus zählt zu den Sehenswürdigkeiten der Insel. Heimlich stolz ist die Hausherrin deswegen. Zugeben würde sie es nie. Sie entstammt der Ricklef’schen Kommandantenlinie. Allerdings erschöpfte sich die dynastische Verzweigung in einem einzigen Kapitän.
Boyle Ricklef war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kein Mann für seichte Gewässer. Für eine Rostocker Reederei kommandierte er Frachtsegler auf großer Fahrt. Auf Tahiti gründete er eine zweite Familie, die sich erst in der Handlungsgegenwart anno 2026 in Gestalt einer Ur…-Enkelin ins europäische Spiel bringt.
Seine riskantesten Triumphe feierte Boyle auf der chilenischen Salpeter-Route. Er jagte seine Schiffe ums Kap Hoorn, wo die Wellen so hochschlugen wie die Kirchtürme von Rostock. In Iquique und Valparaíso lag er auf Reede, während die Mannschaft den wertvollen Mist verlud. Bei einer dieser Passagen überlebte seine Bark nur knapp ein „White Squall“ – eine urplötzliche Sturmböe bei klarem Himmel –, die das gesamte Rigg fetzte. Boyle steuerte das beschädigte Schiff mit Notbesegelung und eisernem Willen dreitausend Seemeilen bis in den nächsten sicheren Hafen, was ihm in den Kontoren der Hanseatischen Reeder den Ruf eines Unsterblichen einbrachte. In seinen Anfängen, während der Ausläufer des Krimkrieges und den darauffolgenden politischen Spannungen, geriet Boyle im Packeis vor Kronstadt in eine militärische Seeblockade. Anstatt abzudrehen, ließ er die Segel mit Ruß schwärzen, löschte alle Lichter und glitt bei Nacht und Nebel unbemerkt an der Kriegsmarine vorbei, um mecklenburgischen Weizen nach Sankt Petersburg zu schmuggeln. Auf einer Transatlantikpassage mit Hunderten Auswanderern im Zwischendeck kollidierte sein Schiff mit einem Eisberg. Während die Planken splitterten, hielt Boyle die panische Menge mit gezogener Pistole und der erdrückenden Wucht seiner hünenhaften Statur in Schach, bis die Rettungsboote geordnet zu Wasser gelassen waren. Er verließ als Letzter das sinkende Schiff – eine Tat, die ihm in New York eine goldene Taschenuhr der Marinebehörde und die lebenslange Treue seiner Stammcrew einbrachte.
Die Weltgeschichte ist laut. Kriege flackern auf, Revolutionen brechen aus, Regime stürzen. Fernand Braudel hat für diese Ebene der Geschichte ein treffendes Wort übrig. Der französische Historiker nennt sie das „Ereigniswesen“ (l’histoire événementielle) oder schlicht den unruhigen Schaum auf den ozeanischen Wellenkämmen. Braudel unterscheidet drei Geschwindigkeiten. Unter den flüchtigen Ereignissen der Politik liegt die mittlere Zeit der Konjunkturen – der Wandel von Routen, Zyklen, Strukturen. Tiefer liegt die „lange Dauer“ (longue durée). Es ist die fast unbewegliche Zeit der Geografie, der Küstenlinien, des Klimas und jener Häuser, die Generationen überdauern. So wie Meester Boyle Ricklefs Skipperhus in seiner Landschaft – dem Saaler Bodden. Der offenen Ostsee einen Katzensprung nah, schwimmen lyrische Schilfgürtel in stillem Wasser.
Zu Boyles Lebzeiten nannte man Schiffsführer schon nicht mehr niederdeutsch Meester. In Hilles Gegend reihen sich die schmucken Kapitänshäuser mit ihren Rohrdächern und Obstgärten wie Perlen auf einer Schnur. Ortsnamen erinnern an globale Verwerfungen. Vorpommern kam 1648 unter schwedische Herrschaft und blieb – mit Unterbrechungen – bis 1815 der fremden Gewalt unterworfen. 1815 fiel Schwedisch-Pommerns an Preußen; nur eine Exklave um Stralsund und Rügen war noch bis 1815/16 schwedisch. Die DDR war nur eine Episode in der Landesgeschichte, aber an Hille und Jochen verrichtete sie eine vollständige Prägung. Nie wurde Hille mehr als nur nominell Bundesbürgerin. Sie blieb ein Kind der DDR; eine junge Pionierin im sozialistischen Hoffnungskleid; eine IM aus der lautersten Überzeugung. „Seid bereit! – Immer bereit!“ Das war der Gruß der Pionierorganisation Ernst Thälmann. Weitergeführt wurde Hille nach 1989 von einem HVA-Hauptmann im konspirativen Unruhestand. Entgegenkommend diente sie Gerd ‚Geronimo‘ Mansfelds perversen Nostalgien. Von mir aus nennt es Rollenspiele, wenn Hille das blaue Tuch der freien deutschen Jugend trug und in animierenden Posen den „Pioniermarsch“ sang. „Wir tragen die blaue Fahne, / es ruft uns der Trommel Klang. / Stimme fröhlich ein, du Pionier, / in unseren Gesang!“
Aus dem Unterricht – Der Wendepunkt im Devon
Vor dem Auftreten der Kiefer waren Wirbeltiere entweder Filtrierer oder Aasfresser. Erst der Kiefer ermöglichte es ihnen, Beute aktiv zu ergreifen und zu überwältigen. Diese Neuerung war so erfolgreich, dass kiefertragende Wirbeltiere im Devon ihre kieferlosen Konkurrenten nahezu vollständig verdrängten. Heute stammen etwa 99 % aller Wirbeltiere von kiefertragenden Vorfahren ab. Dazu gehören Haie, Knochenfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.
Fleischfresser haben einen energetischen Vorteil, weil tierisches Gewebe dem eigenen Körpergewebe ähnlicher ist als pflanzliche Zellen. Dennoch gibt es in jedem Ökosystem stets mehr Beutetiere als Räuber.
Das räuberische Potenzial bildet die zentrale DNA fast aller Wirbeltiere. Bei jedem Übergang von Energie auf eine höhere trophische Ebene – von Pflanzen zu Pflanzenfressern und von Pflanzenfressern zu Räubern – gehen etwa 90 % der Energie verloren. Um einen 100 kg schweren Löwen zu ernähren, werden Tausende Kilogramm Zebras benötigt, die ihrerseits wiederum Tonnen von Gras fressen. Viele kiefertragende Wirbeltiere entwickelten deshalb pflanzenfressende Ernährungsweisen, da pflanzliche Nahrung kontinuierlich verfügbar ist.
Viele Menschen nutzen heute nur einen kleinen Teil ihres körperlichen Potenzials und bewegen sich überwiegend in Mustern des Schutzes, der Anpassung und des Ausweichens. Sie besitzen die körperlichen Voraussetzungen für die Jagd – die Wirbelsäule, den Kieferschluss und diagonale Muskelketten –, nutzen jedoch überwiegend ein Bewegungsprogramm der Flucht und Kompression.
Kieferträger erschienen vor etwa 430 bis 450 Millionen Jahren. Die Panzerfische (Placodermi) waren die ersten aktiven Räuber der Erdgeschichte. Dunkleosteus lebte im Devon (vor ungefähr 380 Millionen Jahren) und erreichte eine Länge von bis zu zehn Metern. Er besaß scharfkantige knöcherne Schneidplatten.
Mit der Entwicklung des Kiefers konnten Tiere größere Beutetiere fressen, neue ökologische Nischen erschließen und schneller wachsen. Dies führte zu einem evolutionären Wettrüsten. Die Beutetiere entwickelten sich entsprechend den zunehmenden Fähigkeiten ihrer Räuber weiter.
Der Kiefer war nicht einfach nur ein Werkzeug zur Nahrungsaufnahme, sondern ein evolutionärer Hebel mit gewaltigen ökologischen Konsequenzen.
Der menschliche Körper als adaptives Bewegungssystem
Der menschliche Körper ist ein adaptives System, das zwischen unterschiedlichen Organisationsformen von Spannung wechseln kann. Im Alltag der meisten Menschen dominiert eine schwerkraftorientierte Bewegungsorganisation. Sie zeigt sich in einer eingeschränkten Bewegungsvariabilität, kompensatorischen Spannungsmustern und einer Tendenz, den Körper vor allem zu stabilisieren, anstatt Kräfte aktiv durch ihn hindurchzuleiten.
Aus dem Unterricht – Der Wendepunkt im Devon
Vor dem Auftreten der Kiefer waren Wirbeltiere entweder Filtrierer oder Aasfresser. Erst der Kiefer ermöglichte es ihnen, Beute aktiv zu ergreifen und zu überwältigen. Diese Neuerung war so erfolgreich, dass kiefertragende Wirbeltiere im Devon ihre kieferlosen Konkurrenten nahezu vollständig verdrängten. Heute stammen etwa 99 % aller Wirbeltiere von kiefertragenden Vorfahren ab. Dazu gehören Haie, Knochenfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.
Fleischfresser haben einen energetischen Vorteil, weil tierisches Gewebe dem eigenen Körpergewebe ähnlicher ist als pflanzliche Zellen. Dennoch gibt es in jedem Ökosystem stets mehr Beutetiere als Räuber.
Das räuberische Potenzial bildet die zentrale DNA fast aller Wirbeltiere. Bei jedem Übergang von Energie auf eine höhere trophische Ebene – von Pflanzen zu Pflanzenfressern und von Pflanzenfressern zu Räubern – gehen etwa 90 % der Energie verloren. Um einen 100 kg schweren Löwen zu ernähren, werden Tausende Kilogramm Zebras benötigt, die ihrerseits wiederum Tonnen von Gras fressen. Viele kiefertragende Wirbeltiere entwickelten deshalb pflanzenfressende Ernährungsweisen, da pflanzliche Nahrung kontinuierlich verfügbar ist.
Viele Menschen nutzen heute nur einen kleinen Teil ihres körperlichen Potenzials und bewegen sich überwiegend in Mustern des Schutzes, der Anpassung und des Ausweichens. Sie besitzen die körperlichen Voraussetzungen für die Jagd – die Wirbelsäule, den Kieferschluss und diagonale Muskelketten –, nutzen jedoch überwiegend ein Bewegungsprogramm der Flucht und Kompression.
Kieferträger erschienen vor etwa 430 bis 450 Millionen Jahren. Die Panzerfische (Placodermi) waren die ersten aktiven Räuber der Erdgeschichte. Dunkleosteus lebte im Devon (vor ungefähr 380 Millionen Jahren) und erreichte eine Länge von bis zu zehn Metern. Er besaß scharfkantige knöcherne Schneidplatten.
Mit der Entwicklung des Kiefers konnten Tiere größere Beutetiere fressen, neue ökologische Nischen erschließen und schneller wachsen. Dies führte zu einem evolutionären Wettrüsten. Die Beutetiere entwickelten sich entsprechend den zunehmenden Fähigkeiten ihrer Räuber weiter.
Der Kiefer war nicht einfach nur ein Werkzeug zur Nahrungsaufnahme, sondern ein evolutionärer Hebel mit gewaltigen ökologischen Konsequenzen.
Der menschliche Körper als adaptives Bewegungssystem
Der menschliche Körper ist ein adaptives System, das zwischen unterschiedlichen Organisationsformen von Spannung wechseln kann. Im Alltag der meisten Menschen dominiert eine schwerkraftorientierte Bewegungsorganisation. Sie zeigt sich in einer eingeschränkten Bewegungsvariabilität, kompensatorischen Spannungsmustern und einer Tendenz, den Körper vor allem zu stabilisieren, anstatt Kräfte aktiv durch ihn hindurchzuleiten.