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2026-09-24 11:23:13, Jamal

„Gleichwohl ward ich in Weimar durch Goethes besonderes Wohlwollen gefesselt.“  Goethe im Gespräch mit Eckermann

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„Den Reichen wälzt der Tod den ersten Stein auf die Brust, und die Armen befreit er vom letzten.“ Max Waldau

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„Wenn aber an einem Tage des blutigsten Kampfes ein Knabe, der auf dem Schlachtfelde nach Schmetterlingen jagt, mir zwischen die Beine kömmt … so darf uns das, unbeschadet unserer Philosophie und Menschlichkeit, wohl ärgerlich machen.“ Ludwig Börne über Heinrich Heine

Turning Danger into Performance – Was der Körper weiß

Ein Mensch merkt häufig gar nicht, dass etwas, das für ihn selbstverständlich ist, für andere eine Spezialisierung darstellt. Der gute Reiter denkt vielleicht nicht ständig darüber nach, dass er Balance, Gewichtsverlagerung und Bewegung des Pferdes intuitiv begreift. Der erfahrene Landwirt merkt möglicherweise nicht mehr, wie viel Entscheidungskompetenz sich aus tausend alltäglichen Beobachtungen und Erfahrungen ergibt.

Niemand bezeichnet Laufen als Spezialwissen, obwohl die einschlägigen Fähigkeiten Erfahrungsprodukte sind.

Erfahrung ist die älteste Form von Technologie des Menschen – gespeichertes Können.

Müsste Fahrradfahren jedes Mal bewusst berechnet werden, wäre die kognitive und zeitliche Verschwendung enorm. Eine erlernte Körperfähigkeit ist komprimierte Physik. Der Körper ist ein Rechner, der seine Berechnungen in Bewegung ausgibt.

Du musst tausendmal beinahe umfallen, bis dein Nervensystem die Rechnung übernimmt. Zivilisation ist auch die Kunst, komplizierte Berechnungen so tief in Werkzeuge, Körper und Gewohnheiten einzulagern, dass wir sie nicht mehr bemerken.

Die größtmögliche Unterwerfung ist der Verzicht

Ein Außenseiter mag auf den Wegen der Anpassung so weit gehen wie er nur kann, um Beleidigungen und Stigmatisierungen zu vermeiden: jedwedem damit verbundenen Gewinn schlägt ein deprimierender Selbstbestimmungsverlust entgegen.

Man muss seine Vorstellungen von sich selbst zum Tragen bringen.

Didier Eribon lehrt: Alle Kampagnen „sind Kämpfe um die Wahrnehmung der Welt“. In den sozialen Medien schalten sich die Legionen der traditionell Ungehörten ein. Die Heftigkeit der Auftritte kommt aus ungeschultem Durchsetzungswillen. Sie bewirkt eine Herabsetzung der Standards. Die Akteure überschätzen ihre Bedeutung, vor allen jedoch ihre Originalität als Dreckschleudern.

Wir trafen uns in der Vereinsgaststätte des FC Terceira. Das Lokal hatte die Patina alter portugiesischer und spanischer Kantinen. Die meisten kannten das gar nicht mehr: diese umgewidmeten Pilsstuben an zugigen Kreuzungen, die ihre infrastrukturelle Bedeutung schon drei Mal verloren hatten, bevor sie vor einem halben Jahrhundert zu Heimattanks für Gastarbeiter geworden waren.

In so einem Laden bin ich großgeworden. Meine Eltern stammten aus Porto. Mein Vater hatte als Junge für englischen Portweinexporteure Botengänge erledigt und beherrschte von daher eine Schrumpfform des Englischen. Er war stolz darauf und brachte sein unbrauchbares Englisch ständig an. Vor meiner Geburt hatte er in einer Offenbacher Großschlachterei gearbeitet. Seine Albträume waren Speicher von Szenen aus dieser Zeit. Er sprach darüber wie ein Verfolgter.

Meine Mutter war mit ihm nicht glücklich geworden und endlich ohne Abschied davongegangen. Sie hatte ihren Mann mit meiner Schwester Matilda und mir zurückgelassen und so eine untilgbare Schuld auf sich geladen. Ihre Sünde machte sie zu einer schwarzen Gestalt. Meine Schwester und ich beteten jeden Abend für sie, solange wir kindlich fühlten. Matilda war zwei Jahre älter als ich und für die Welt unerreichbar. In ihrer Traumschmiede bog sie sich alles nach ihren Wünschen zurecht. Sie war gesegnet und das war ich auch; während unser Vater unter vielen Lasten ächzte. Er war das Kind und wir waren die Erwachsenen, die ihm rieten, die Dinge nicht schwer zu nehmen. Der Schankraum war unser Lebensraum …