Turning Danger into Performance – Der erste und vorläufig letzte US-Kavallerieeinsatz des 21. Jahrhunderts – II. Teil
October 2001. The first Green Berets were going in. Two twelve-man Operational Detachment Alphas from the 5th Special Forces Group — ODA 595, the original Horse Soldiers, and ODA 555, known as Triple Nickel (in American slang, a nickel is a five-cent coin, and three nickels make 5-5-5, the number of the detachment) — infiltrated northern Afghanistan on the night of October 19–20, 2001. They were among the first American military boots on the ground, arriving before any conventional U.S. force established a presence in Afghanistan. The CIA was already there.
Rund sechs Jahrzehnte nachdem die US-Armee ihre traditionelle Kavallerie weitgehend aufgegeben hatte, ritten amerikanische Soldaten wieder in den Kampf. Der Einsatz in Afghanistan wurde zum Paradebeispiel dafür, dass im Zeitalter von Satelliten ursprüngliche militärische Methoden plötzlich wieder relevant werden können. Dabei schien diese Ära längst historisch versiegelt.
Die letzte klassische US-amerikanische Kavallerieattacke hatte am 16. Januar 1942 bei Morong auf der philippinischen Bataan-Halbinsel. Beteiligt war das 26th Cavalry Regiment (Philippine Scouts). Unter dem Kommando von Lieutenant Edwin P. Ramsey ritten 27 Kavalleristen mit gezogenen Pistolen im gestreckten Galopp gegen einen zahlenmäßig und technisch überlegenen Gegner. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte die US-Armee ihre Kavallerie zu einer motorisierten Truppe weiter. Der Begriff Kavallerie blieb als Traditionsname erhalten, das Pferd jedoch verschwand vollständig vom Gefechtsfeld.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September begann die US-Armee mit der Operation Enduring Freedom in Afghanistan. Um in dem unwegsamen, straßenlosen Hochgebirge überhaupt operieren zu können, schlossen sich Special Forces lokalen Einheiten an. Im Oktober 2001 fanden sich die Angehörigen des Operational Detachment Alpha 595 plötzlich in einer Situation wieder, auf die kein Handbuch sie vorbereitet hatte. Gemeinsam mit den Kombattanten der afghanischen Nordallianz stiegen sie auf Pferde. Dass die Mission in diesem Moment nicht logistisch einfror, hing an einem außer-militärischen Zufall. Captain Mark Nutsch war auf einer Ranch in Kansas aufgewachsen und brachte als Einziger die nötige Reiterfahrung mit, um aus dem sündhaft teuren, hochspezialisierten Millionen-Investment seines Teams über Nacht eine funktionierende berittene Einheit zu formen.
Am 22. Oktober 2001 geschah schließlich das Undenkbare: Zum ersten Mal seit dem Einsatz auf den Philippinen kam es wieder zu einem Husarenritt, an der US-amerikanische Soldaten beteiligt waren. Zwölf Amerikaner ritten an der Seite afghanischer Stammeskrieger. Im Galopp forderten sie per Satellitenfunk präzise Luftschläge an. Es war die Geburtsstunde einer paradoxen, hybriden Kriegsführung – und der Beweis, dass eine Armee im Ernstfall immer auf das physische Einmaleins zurückgeworfen wird. Sobald die Parameter der Realität sich Richtung basal verschieben, entscheidet nicht die Technik, sondern das archaische Fundament des Menschen über Erfolg oder Totalausfall.
Die Nachricht kam erst 48 Stunden vor dem Abflug
Mark Nutsch und sein Team waren Experten in unkonventioneller Kriegsführung. Dass sie reiten würden, erfuhren sie 48 Stunden vor dem Einflug nach Afghanistan. Das Pentagon hatte erst kurz zuvor realisiert, dass die von General Abdul Raschid Dostum angeführte Nordallianz eine berittene Partisanenarmee war, die außerdem über sowjetisches Equipment im Spektrum geländegängiger Fahrzeuge verfügte. Nutschs Untergebene teilten keine nennenswerte Reiterfahrungen. Der Captain avancierte über Nacht vom Kommandanten zum Trail Boss (Rittmeister). Er unterzog seine Männer einen Crashkurs. Sie mussten unter härtesten Bedingungen lernen, wie man im Galopp das Gleichgewicht hält, schwere Waffen und Ausrüstung auf dem Pferd ausbalanciert und das selbst für erfahrene Reiter kaum zu bändigende Tier kontrolliert.
Schwierige afghanische Hengste
Es handelte sich nicht um förmlich ausgebildete Reitschulpferde. Die Männer bekamen beißende Hengste zugeteilt, die unter Holzsätteln bockten. Die Bügelriemen waren zu kurz für die Amerikaner.
Die Truppen von General Dostum bildeten keine technisch rückständige Stammesmiliz. Sie verfügten über sowjetisches Militärgerät, darunter schwere Maschinengewehre, Pick-ups, gepanzerte Fahrzeuge (wie BMP-1) und russische T-72-Panzer. Dass ODA-595 trotzdem auf Pferde steigen musste, hatte pragmatische Gründe. Der Feldzug fand im Hindukusch-Gebirge statt. Es gab keine Straßen, sondern nur Saumpfade am Abgrund. Afghanistan war (und ist) eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Die Taliban hatten die wenigen befahrbaren Wege komplett vermint. Ein Kraftfahrzeug entsprach einer Todesfalle. Pferde wittern Sprengstoffe. Die Nordallianz war vor dem Eintreffen der Amerikaner weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Treibstoff, Batterien und Ersatzteile für den militärischen Fuhrpark waren rar. Pferde brauchten nur Gras und Wasser.
Am Ende kam es zu einer historisch einzigartigen Kombination. Die Taliban verteidigten ihre Stellungen mit Panzern und Artillerie. Die Allianz stürmte hoch zu Ross die Stellungen – während die 12 Spezialsoldaten im Sattel saßen, Laser-Zielgeräte hielten und über modernste Satellitenkommunikation B-52-Bomber anforderten, die die Taliban-Panzer aus der Luft pulverisierten.
Warum ein Angriff wie 2001 heute unmöglich wäre
Würden Mark Nutsch und seine Männer heute im Galopp über freies Feld reiten, wäre das ihr Todesurteil. Billige Aufklärungsdrohnen und FPV-Kamikaze-Drohnen (First Person View) überwachen das Schlachtfeld lückenlos. Im Ukraine-Krieg hat die russische Armee tatsächlich versucht, Kavallerie für Sturmangriffe einzusetzen. Videos zeigen, dass die russischen Reiter leichte Beute für ukrainische Drohnenoperatoren waren.
Warum Armeen heute trotzdem wieder auf Pferde setzen
Die Omnipräsenz von High-Tech-Drohnen treibt moderne Armeen wieder zu Low-Tech-Lösungen wie Pferden und Maultieren. Westliche Streitkräfte testen wieder den Einsatz getarnter Pferdepatrouillen. Jedes moderne Militärfahrzeug (selbst ein Quad) strahlt extreme Hitze (Infrarot) ab, nutzt Funk und erzeugt laute Motorengeräusche. Für moderne Drohnensensoren leuchten sie auf dem Bildschirm wie ein Christbaum. Ein Pferd hingegen hat keine elektronische Signatur, benötigt keinen Treibstoff und bewegt sich im Wald oder Gebirge fast lautlos. Für verdeckte Operationen (Spezialkräfte) und Logistik in extrem unwegsamem Gelände (Sümpfe, dichte Wälder) sind Tragtiere unschlagbar. Sie transportieren schwere Lasten unbemerkt dorthin, wo Fahrzeuge sofort von Drohnen entdeckt und zerstört würden. Im Ukraine-Konflikt nutzen Truppen Pferde, um unbemerkt Nachschub zu transportieren. Es wurden russische Soldaten gefilmt, die mobile Starlink-Satellitenterminals auf den Rücken von Pferden geschnallt haben, um im tiefsten Dickicht Netzwerkanbindung zu haben, ohne Fahrzeuge nutzen zu müssen. Wird fortgesetzt.