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2026-06-21 12:51:35, Jamal

Turning Danger into Performance – Psychological Grooming/Mareks Masche

Liebe Leserinnen und Leser,

schiere Fabulierlust zwingt mich dazu, weit auszuholen. Im Kern geht es um die nordhessische Kriminalkommissarin Elena Steinbrenner, die in dem mecklenburgisch-vorpommerischen Ferienkaff Ahrenshoop an einem Schreibworkshop teilnimmt.

Ahrenshoop lag lange genau an der Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern (Vorpommern) auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Ein örtlicher „Grenzweg“ erinnert daran. Der Hauptteil des heutigen Ortes gehörte früher zu Pommern, während einige westliche Bereiche zu Mecklenburg zählten. Verwaltungstechnisch wird Ahrenshoop nun Vorpommern zugeordnet.

Der Verheirateten dient der Anlass als Vorwand, um dem mehrfach preisgekrönten Bestsellerautor Marek Lorenz unerlaubt nahe zu kommen. Sie hält sich für die verbrecherische Verführerin, während in Wahrheit der smarte Psychopath das verbotene Verhältnis infam-geschickt in die Wege leitete. Marek ist ein Menschenfischer der übelsten Sorte. Er hat schon Elenas vor Jahren mysteriös ums Leben gekommene Zwillingsschwester Alina in der Liebhaberrolle manipuliert. Warum es nicht frank und frei herausposaunen? Er hat die andere Elena auf dem Gewissen.

Mareks Masche

Wobei … Gewissen passt nicht. Das Wort setzt eine Moral voraus, die Marek fremd ist. Er hat Alina nicht einfach umgebracht. Er hat sie ausgehöhlt und ausgesaugt und aus ihrem letalen Niedergang einen Bestseller gemacht. Marek genießt seine Grausamkeiten auf mehreren Ebenen. Er mixt sich Highballs der Skrupellosigkeit. Seine Gerissenheit erscheint ihm als göttliche Gabe. Besonders weidet er sich an der Ahnungslosigkeit seiner Opfer.

Marek münzt verbürgten Schmerz in brillante Fiktion um. Am Abend vor der Eröffnung des Workshops liest Marek im Kultur-Pavillon am Weg zum Hohen Ufer vor einem großen Auditorium aus dem „Tagebuch“ einer Frau, die Alinas Passionsweg auf den letzten Metern bis zum Tod dokumentiert. Sein Text kolportiert Alinas Verzweiflungsnotate. Marek hat ihr Diary in einem Allmachtrausch ausgeschlachtet. Für die applaudierende Öffentlichkeit ist es Kunst. Für Elena sollte es ein Geständnis ein. Allein, sie begreift es nicht. Ihr Herz schlägt bis zum Hals, Elena spürt nur die süße Hitze der Verliebtheit. Während Mareks Stimme sie hypnotisiert, plagt sie das schlechte Gewissen ihrem Ehemann gegenüber. Sie zweifelt daran nicht, aus völlig freien Stücken zu handeln – unfähig zu sehen, dass sie bereits fehlerfrei nach seinem Skript funktioniert.

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Die Kulisse des malerischen Ostseebads Ahrenshoop mit seinen reetgedeckten Häusern, der Steilküste und den skulpturalen Windflüchtern bildet einen perfekten Kontrast zu der psychischen Dunkelheit meines Plots. Ich erzähle jetzt einfach kreuz und quer aus der Umgebung.

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Jumbo hat ständig eine Hand in der Hose, als würde ihm da sonst was fehlen. Luciano Moravias ältester Sohn will bestimmt nicht unmanierlich erscheinen. Seine Posen sind ihm nicht bewusst. Er steht im Zentrum großfamiliärer Obhut wie ein Mastochse angepflockt vor einem Nahrungsüberangebot.

Jumbo ist nicht nur fett und faul, er stinkt auch vor Gleichgültigkeit. Man hat ihn bis zur Formlosigkeit verwöhnt und seiner Eigenständigkeit beraubt. Er verschluckt Laute, sodass die Leute raten müssen, was er gesagt haben könnte, bevor er es selbst vergisst. Nora stört das nicht. Die älteste Tochter des Tillwitzer Bürgermeisters geht bei den Moravias ein und aus.

Tillwitz ist eine Nachbargemeinde von Ahrenshoop, wenn auch nur in dieser Geschichte.

Jumbo spürt Suchtdruck. Er braucht einen Schuss TV. Nicht, dass Sendungen im Nachmittagsprogramm ihn von Langeweile befreien könnten. Er ruft Luca, seinen jüngsten Bruder, er ist zu reduziert, selbst nach der Fernbedienung zu angeln. Lucas peilt die Lage mit einem Blick, der Nora die Knochen poliert.

Luca erkennt das Potential seiner Eltern. Geld findet man in ihrem Haus in jeder Ritze. Eis gibt es rund um die Uhr. Luca amüsiert der träge Sack, den Gott zu seinem ältesten Bruder gemacht hat.

Otfried Vrunt betritt die Trattoria, gerade als Nora an allen vorbei rauschend, sich freiläuft für den nächsten Punkt auf der Agenda des Tages. Sie spricht noch mit ihrem Vater, zumindest erwidert sie seinen Gruß, anders als ihre Schwester Ella, die verstummt, sobald „der Erzeuger“ ihr begegnet. Jeder Versuch, sie einzuspinnen ins Vertraute und die ursprüngliche Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen, schlägt fehl. Ella sucht den Skandal. Angeblich belastet sie die Schande, von Otfried abzustammen.

Sorge ist Otfrieds stärkste Empfindung seinen Kindern gegenüber. Er greift in einen Beutel Erdnüsse aus dem Familienvorrat der Moravias. Luciano schlurft pantoffelheldisch an und empfiehlt Spinatgnocchi in Rahmpilzsoße.

Die Isola Bella ist der rotweiß eingedeckte Lieblingsitaliener vieler Ahrenshooper Feriengäste. Die von Plastikkrebsen bevölkerten Fischernetze an der Schankraumdecke suggerieren schwelgerisch einen Stillstand der Zeit und bieten sich an, als letzter Hinweis auf die Capri Fischer Ära gelesen zu werden.

Ab vier steht die Isola Bella allen offen. Maike & Manfred bilden heute die Vorhut. Sie sind gut als Paar. Da Maike mehr verdient, macht Manfred mehr im Haushalt. Er grübelt auch mehr. Er leidet unter Panikattacken, deren Ursachen unergründet in der Kindheit liegen, als nie diagnostizierte Belastungsstörung. Seine Selbstzweifel und die verzögerten psychischen Reaktionen bekämpft er mit Sport.

Maike und Manfred praktizieren Familie mit zwei Kindern. Bis vorgestern waren sie im Urlaub auf Lanzarote. Manfred hat sich da auf dem Rad an seine Grenzen gebracht und jeden Tag ein paar Stunden aus dem System genommen. Während die Familienarbeit ruhte, bedachte er sein Leben. Seine Ressourcen reichen nicht aus. Das weiß er jetzt.  

Er verkleckert kalte Suppe. Seine Frau betrachtet ihn skeptisch.

Er ist der Mann, hinter dem man her wischen müsste, würde man denn wischen. Sie ist eine Tillwitzerin, die es geschafft hat. Maike war Charttechnikerin der Deutschen Bank in London. 

„Gewinne sind immer möglich - es kommt einfach nur auf den richtigen Einstiegszeitpunkt und die passende Strategie an.“ Charttechnikerinnen-Binse

Ein Markt ist entweder oversold oder overbought, nach der ersten Million stieg Maike aus. Jetzt managt sie die Superseniorenresidenz Schlapperschapp in Dändorf. 

Manfred erinnert einen fadenscheinigen Moment der Freiheit auf dem Rad am Berg auf Lanzarote im Kampf mit den Elementen wie ein Kapitän auf hoher See. Zu Fuß wäre er schneller gewesen als als Wurst in der Plastikpelle aka Gummibärchen aka Ganzkörperkondom.  

Manfred denkt daran, wie losgelöst seine Frau mit einem Franzosen tanzte: ganz anders als je mit dem unzulänglichen Gatten. Maike setzt Manfred mit zwanghaftem Optimismus zu. Nur im Gespräch mit ihren Eltern hört sie auf, aus allem das Beste zu machen und verliert sich in kindlicher Klage.  

Elena schnappt Fetzen des familiären Desasters auf, während Marek sie mit Beinarbeit unter dem Tisch einkeilt. Sie lässt sich das gefallen, auch dass seine Hand unter dem Saum verschwindet und sich zügig auf ihre Mitte zu bewegt. Zwei Tage und Nächte haben aus Elena und Marek ein versiertes Paar gemacht.  

Sie lässt sich das gefallen, genießt den Nervenkitzel der Heimlichkeit inmitten bürgerlicher Tristesse. Ein mitleidiges Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen. Wie armselig das Ehepaar am Nebentisch wirkt, so gefangen in trivialen Mustern. Zwei Tage und Nächte haben aus Elena und Marek ein versiertes Paar gemacht. Elena schaut herab auf das Elend der anderen. Oh, sie fühlt sich wie eine Königin. Sie empfindet eine fast rauschhafte Überlegenheit. Die anderen veröden in ihren Routinen, während sie das Abenteuer wagt, die Regeln bricht und von einer Premiumpersönlichkeit begehrt wird. Es ist ein Gefühl von Exklusivität und Macht.

Er (der berühmte Schriftsteller) will sie so sehr. Wie geil ist das denn.

Gleichzeitig blockiert sie den Expansionsdrang unter ihrem Kleid mit professioneller Festigkeit. Bei aller Verliebtheit wird sie sich von Marek nicht in einem Restaurant fingern lassen. Das hat es in ihrem Leben noch nie gegeben.

Na klar, wir kennen alle das Lied. Elena fühlt sich endlich einmal wieder lebendig. Wie sehr sie sich nach Intensität gesehnt hat. Sie erlebt sich wie die Hauptdarstellerin in einer französischen Arthouse-Produktion.