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2026-06-15 10:29:24, Jamal

Egoisten der Liebe

Alisa und Virgil laufen auf der antiken Trimmstrecke, die von den Ederthalern nie angenommen wurde und in den letzten fünfzig Jahre malerisch zuwucherte. Die antiken Holzsachen sehen aus wie Artefakte einer Fantasy Epoche. Luftwurzeln arcdetriomphieren über Totholz.

Nöte der begüterten Klasse - Zwei Stunden später

Sie sitzen im Kasseler Hof. Hanne Mansfeld, geborene Schleim, wringt ihr trockenes Haar. Eine Geste der Verzweiflung auf dem Vorfeld von Erosion, Korrosion und Schimmel. Die übelsten Sachen sieht man gar nicht. Man kann sie auch nicht riechen. Aber sie sind da als Lauerjägerinnen in den Größenordnungen der Mikroorganismen. Die chemische Zusammensetzung des Lebens schleift einen Rattenschwanz an Problemen für Eigentümerinnen hinter sich her. Seit die Erfurterin Hanne den dynastischen Ederthaler Hans Mansfeld geheiratet hat, kennt auch sie die Not der begüterten Klasse.

Auf Hannes Speisetafel steht ‚Z...schnitzel‘, obwohl die Stammtischschwestern Marianne, Sina, Malia und Alisa der eingeheirateten Rassistin nahegelegt haben, Paprikaschnitzel zu schreiben. Z... igeuner sei zu dicht an N..., behaupten sie im Einklang mit der immer noch nicht herrschenden Meinung.

Hanne zickt. Sie besteht auf den romantischen Mehrwert einer Schimäre unter Nebensonnen der verteufelnden Herabsetzung. Ihr folgt nur der vom Alter abgesprengte Provokateur Philipp Deppert, der die unkorrekte Bezeichnung Z... in ihrer abgemahnten Wiederholung als Widerstandsakt gegen die Einigkeit im Raum begreift. Der Drecksack steht am Tresen und spricht von oben herab zum Stammtisch. Er hat jetzt endlich eine Partei, die er frohen Herzens wählen kann (nach Jahren als parteiloser Berufsnötiger in Berlin).

Schon viele Facebookfreundschaften erloschen im Kreis der Verschworenen, weil ein Facebooker meinte, sich Afrikanern und Afroamerikanern gegenüber herabsetzend äußern zu müssen. Alisa macht ihren Schülerinnen alldieweil klar: Das Verhältnis von Sprache und Macht ist dämonisch. Die Sprache legitimiert erst auf einem Kurs der Degradierung die Versklavung und den Mord und lässt dann darüber Gras wachsen. Die Vernichtung des Z...barons wird in der Sprache zugleich vorbereitet und geleugnet.

Zwei Wochen später - Naturnahe Weltferne

Sie folgen dem Unterlauf der Eder zum Bettelkopf im Kellerwald. Die ursprünglichen Kellerwälder Flur- und Ortsnamen enden germanisch auf a, mar, tar, loh. Das betrifft Flecken, die vor dem Jahr Achthundert in die Kultivierung gerieten. Der fränkischen Landnahme nach kam die Kolonisation unter gaugräflicher Aufsicht im Hochmittelalter. Die späten Gründungen fielen oft wüst, schlechter Böden wegen. Alisa kennt einige Wüstungen, das entspricht einem entlegenen Wissen. Keine Ahnung beschwert sie, woher das Interesse an historischen Merkwürdigkeiten rührt. Wer weiß schon, was eine Wüstung ist?

Die Besiedlung der Gegend reicht in die Bronzezeit. Auf den Höhen findet man Hügelgräber und Schanzen. Kult und Kampf wurden auf einer Linie der Daseinsbetrachtung abgehandelt. Schon der erste Speer trug einen Darstellungswillen weiter. Jedenfalls behauptet das Virgil. Alisa weist auf Artefakte hin, die ein paar hundert Jahre unbesehen geblieben sind. Da wollte ich gestern eine erotische Szene anpflanzen ... so schön auf Moosgrund, mit Vogelgezwitscher, den Aromen der Natur und traumhaften Lichteinfällen. Alisa im Gegenlicht. Siehst du sie auch, liebe N.? Sie betrachtet Virgil. Sein Anblick zaubert ein Lächeln auf ihre Lippen.

„Alisa, meine Süße.“

Alisa weiß genau, wie er sie haben will und sie entspricht seinen Wünschen, erregt von der prompten Wirkung.

N.: Alisa glüht. Ist es Absicht, dass ein Träger fällt im Spiel der beiden? Gleich fällt der zweite … ihre Schultern, die Brustansätze ... sie dreht sich vor ihm, das Kleid fällt bis zur Hüfte, rutscht weiter... eine sanfte Berührung zwischen den Schulterblättern lässt sie zärtlich erschauern.

T.: Mit deinen Augen sehe ich Alisa, wie sie sich vor Virgil dreht und ihm den Anblick ihres langen Rückens schenkt. Sie streckt sogar den Po raus, als Surplus. Alisa und Virgil können mit Details viel anfangen. Sie sind beide keine Egoisten der Liebe. Das eigene Vergnügen setzt das Vergnügen des anderen voraus. Sonst gibt es kein Vergnügen. Dann ist das nichts. Intelligenz, Bildung, Fitness und Qi der Erotik zuzuführen, entspricht einer unausgesprochenen Verabredung. Nichts ist selbstverständlich und darf einfach so verpulvert werden. Alles hat eine Widmung. Jeder Wimpernschlag signiert den Augenblick. Ja, ich bin für dich so schön und auch du bist schön für mich.

Alisa und Virgil erwandern Alisas Heimat. Sie erreichen Maden an einem glühend heißen Nachmittag im Juli. Maden lag im Zentrum des Hessengaus. Heute ist Maden ein Stadtteil von Gudensberg. Bis ins 13. Jahrhundert war ein nachrangiger Landgraf von Thüringen stets auch Graf von Gudensberg. Alisa und der Khan kehren ein in das Wirtshaus Zum hessischen Jäger. Seit Generationen wird die Traditionsgaststätte von Nachfahren eines berühmten Hessen geführt. Johann Conrad Wilhelm Mensing (1765 - 1837) rettete den kurhessischen Staatsschatz vor Napoleon. Dafür wurde er von Wilhelm I. erhoben. Vor seiner Flucht hatte der Kurfürst die Verbergung eines märchenhaften Vermögens verfügt, das ihn schließlich in über hundert Truhen vollständig im Prager Exil erreichte. Man bedenke, wie viel Intelligenz, Findigkeit, Mut und restaurative Vaterlandsliebe bis zur Verbohrtheit dazugehörten, um sich dermaßen für einen Knilch ins Zeug zu legen, der auf die gekaufte Anrede Königliche Hoheit bestand und vom Absolutismus nicht lassen wollte. Dabei hatte Mensing keinen Grund, Wilhelm beizustehen. Der Sohn eines Karlshafener Schmieds war aus der Armut in die Armee geflohen und hatte die Not eines Mietsoldaten in Amerika und in Flandern erfahren.

Zur gleichen Zeit genießen Malia und Agravain einen Moment naturnaher Weltferne hinter einer Vogelbeobachtungspalisade im wurzelecht-weiterwachsenden Marschbacher Moor. Agravain entstammt dem ederhessischen Geschlecht der Battenberg. Auch wenn mancher behauptet, das Geschlecht sei nach 1300 ausgestorben, man habe lediglich den Namen im 19. Jahrhundert wiederbelebt, weiß man doch als Enkel des Grafen Gudensberg, dass sich die Battenbergs mit allen Ansprüchen im Mannesstamm strikt vermehrten, Könige stellten, das Haus Hessen aus der Taufe hoben, sich den Fürsten von Lothringen-Brabant gegenüber loyal zeigten und sich britisch im Haus Mountbatten verzweigten.

Malia und Agravain schwingen nackt zusammen. Die Qi-Ströme vereinen sich im Bett der kollaborativen Erregung. Agravains Glied federt. Malias Augen versprechen ihm sein ganzes Glück. Er synchronisiert sich mit ihrem Atem und dann dirigieren sich die beiden zu einem fast simultanen Orgasmusduett. Unterdessen begegnen sich die soeben genesene N. und T. im Ederthaler Forst auf einem Flecken, der um das Jahr 1100 bereits Eichwald hieß. Ein potenter Aberglaube schützte bis 1926 ein Hünengrab im Eichenkreis vor größeren Entnahmen.

Das Burgrecht machte einst Ruprecht von Gudensberg-Waldeck zum Richter von Ederthal. Seine Todesurteile vollstreckte er eigenhändig im Eichenkreis. Man sprach vom Galgenhurst. Hurst wie Gehölz. Das Wort setzte sich als Flurname nicht durch.

Der Eichwald war Königsforst. Ich kenne amtliche Bemerkungen zu wirtschaftlichen Eingriffen im Mittelalter. Eichen gaben gutes Bauholz, Eicheln taugten zur veredelnden Schweinemast. Kriegsbedingte Rodungen und natürliche Verheerungen verschonten die Population, bis schließlich von einem Altbestand erstmals die Rede war. Unter den Umfangreichen wurde Alisa erstmals zur Liebe ermutigt. Der Eichwald ist von jeher ein Schauplatz geschlechtlicher Bekenntnisse. Jede Ederthalerin absolviert da Kür- und Courtermine, bevor sie achtzehn wird.

Die dramatische Kulisse öffnet sich zur Eder, die Klingenbacher Aue liegt im Rücken der Krimmer Trutz. Im Wuchs verstockte Kiefern charakterisieren jenes Regenmoor, in das sich Ritter Ruprecht flüchtete, als es ihm im 1073er Sommer an den Eisenkragen ging. Kein Stich überliefert die Erscheinung eines Haudegens, der sich vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben zu der Schmählichkeit einer aussichtslosen Flucht veranlasst sah. In diesem Wald hatten schon einige ihr Leben gelassen, denen Ritter Ruprecht auf einem sauren, bedenklich nachgiebigen, von Pfeifengräsern besiedelten Boden gefolgt war. Auf diesem Boden nun bettet sich T. unter N. Der rücksichtsvolle Liebhaber bietet sich der Rekonvaleszentin als Polster an. Er küsst und leckt ihre hart aus den rosa Höfen ragenden Spitzen. N. spürt, wie er hart wird, und stimuliert den Penis mit ihrem pulsierenden Lustzentrum, bereits überflutet von einem massiven Flow. Der freie Qi-Fluss verstärkt das Erregungsnormal um ein Vielfaches.