Wenn eine neue Nahrungsquelle zugänglich, lohnend und wenig umkämpft ist, wird irgendeine Linie sie nutzen.
Der Wendepunkt im Devon – Aus Arianes Aufzeichnungen
Vor den Kiefermäulern waren Wirbeltiere Filtrierer oder Aasfresser. Erst der Kiefer erlaubte es, Beute aktiv zu fixieren und zu überwältigen. Dies war so erfolgreich, dass Kiefermäuler im Devon fast alle kieferlosen Konkurrenten verdrängten. Heute stammen etwa 99 % aller Wirbeltiere von diesen Prädatoren ab. Das umfasst Haie, Knochenfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.
Fleischfresser haben es energetisch leichter, da Fleisch dem eigenen Körpergewebe ähnlicher ist als Pflanzenzellen. Dennoch gibt es in jedem Ökosystem immer mehr Beute als Jäger (die 10:1-Regel der Biomasse).
Das Prädatorenpotential ist die Kern-DNA fast aller Wirbeltiere. Jedes Mal, wenn Energie eine Stufe höher wandert (von der Pflanze zum Grasfresser, vom Grasfresser zum Prädator), gehen etwa 90 % der Energie verloren. Um einen 100 kg schweren Löwen zu ernähren, braucht es tausende Kilo Zebras (Beute), die wiederum tonnenweise Gras fressen. Viele Kiefermäuler wechselten in die Rolle der Pflanzenfresser, weil das Futter stets verfügbar ist. Viele Menschen nutzen heute nur einen kleinen Teil ihres körperlichen Potenzials und bewegen sich überwiegend in Mustern von Schutz, Anpassung und Vermeidung. Sie haben die Hardware eines Prädators (die Wirbelsäule, den Kiefer-Verschluss, die diagonale Kette), nutzen aber nur die Software der Flucht und der Kompression.
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Die frühesten Kiefermäuler tauchten vor etwa 430 - 450 Millionen Jahren auf. Placodermi (Panzerfische) waren die ersten wirklich großen, aktiven Räuber der Erdgeschichte. Dunkleosteus lebte im Devon (ca. 380 Mio. Jahre) und war bis zu zehn Meter lang. Er hatte keine Zähne im klassischen Sinne, sondern scharfe Knochenklingen.
Mit Kiefern konnten Tiere größere Beute fressen, neue Nischen nutzen und schneller wachsen. Das führte zu einem evolutionären Wettrüsten. Die Beute entwickelte sich im Takt der predatorischen Fresskompetenz.
Der Kiefer war nicht nur ein Werkzeug zum Fressen, er war ein evolutionärer Hebel. Eine kleine anatomische Veränderung → riesige ökologische Folgen.
Der menschliche Körper ist ein adaptives System, das zwischen unterschiedlichen Organisationsformen von Spannung wechselt. Diese Zustände entsprechen unterschiedlichen Arten, mit Schwerkraft, Last und Umwelt in Beziehung zu treten. Im Alltag dominiert bei den meisten Akteuren eine schwerkraftnahe Organisation. Sie zeigt sich in reduzierter Bewegungsvielfalt, kompensatorischen Spannungsmustern und in der Tendenz, den Körper eher zu stabilisieren als Kräfte aktiv durch ihn hindurchzuleiten. Diese Form der Organisation funktioniert well im Spektrum geringer Anforderungen.
Aslan und Anson lehren abweichende Bewegungskonzepte. Sie propagieren das Primat der Transmission und feiern das kinetische Momentum in allen Lebenslagen. Ein zentrales Prinzip transmissiver Organisation ist die diagonale Kraftleitung. Während vertikale Muster Last entlang der Schwerkraftachse konzentrieren, ermöglichen diagonale Strukturen eine Verteilung von Kräften über größere funktionelle Einheiten des Körpers. Muskeln arbeiten dabei nicht isoliert, sondern in Ketten, die Kraft aufnehmen, transformieren und weitergeben.
In diesem Zusammenhang kann externe Last eine wichtige Rolle spielen. Sie wirkt nicht nur als mechanische Herausforderung, sondern auch als ordnender Faktor für das Nervensystem. Unter klar definierter Belastung wird Bewegung häufig präziser, unnötige Muskelaktivität reduziert sich, und die Koordination zwischen einzelnen Körperabschnitten verbessert sich. Spannung wird gezielt aufgebaut, effizient geleitet und ebenso effizient wieder gelöst. Die Fähigkeit zur Regulation ist zentral. Ein gut organisiertes System zeichnet sich aus in der Fähigkeit, Spannung differenziert einzusetzen.
In diesem Sinne ist Training weniger als reine Belastungssteigerung zu verstehen, sondern als Reorganisation von Bewegung und Spannung unter variablen Bedingungen. Ziel ist nicht die Maximierung einzelner Parameter, sondern die Verbesserung der gesamten Struktur, in der Kraft entsteht und wirkt.