Geologische Ehrfurcht
Wir fuhren weiter Richtung Westkap. Die Straße mäanderte unter einem prahlenden Himmel, vorbei an wilden Oliven, windgebeugtem Fynbos und knorrigen Protea-Sträuchern. Unsere erste Tagestation war eine beinah trockengefallene Sandsteinschlucht am Breede River.
Der Canyon öffnete sich unvermittelt - ein Schnitt ins Herz des Landes. Eine Abfolge von Faltungen, Brüchen und furios gemixten Sedimentschichten. Schicht um Schicht erzählten sie von vorzeitlichen Meeren, tektonischen Auffahrunfällen, Jahrmillionen der Erosion. Quarzitsäulen ragten senkrecht auf. Den permanenten Pool auf der Sohle erlebte ich als menschenfreundliches Naturwunder. Ich zog mich aus, ließ mich langsam ins Wasser gleiten. Es war klar und kühl, eine mineralische Haut, die sich anschmiegte. Du folgest mir. Ich trieb auf dem Rücken, sah hinauf. Der Himmel war ein schmaler Aufriss zwischen schroffen Wänden. Irgendwo pfiff ein Rotschwingenstar, der hierzulande Rooivlerkspreeu hieß.
Am späten Nachmittag erreichten wir eine wenig bekannte Schlucht, verborgen im Abseits touristischer Routen. Die Schilder waren verbeult und zerschossen. Es gab keine Reisebusse, keine touristischen Tumulte. Die Steilwände bestanden aus devonischem Sandstein, vor über 350 Millionen Jahren abgelagert, als die Gegend noch Meeresboden war, durchzogen von Deltas und Lagunen. Deutlich zu sehen war eine Signatur tektonischer Spannungen. Die Schlucht selbst war das Ergebnis jener Urkräfte - Faltung, Hebung, Verwitterung. Die Hitze vibrierte. Selbst die Schatten flimmerten. Wieder überkam mich das Gefühl, an einem Ort außerhalb der Zeit zu sein. Ein Gefühl, das es in Europa für mich nicht gab.
Da standen wir, du und ich, fast wortlos, während die Sonne unterging und das Licht die Steilwände vergoldete.
„Du bist still geworden“, sagtest du.
Ich nickte nur. Ich war gewiss nicht verstimmt. Es war Dankbarkeit, die mich beinah erschütterte. Für das, was ich sehen durfte. Für das, was ich vielleicht nie verstehen, aber doch fühlen konnte.
Ich war nicht mehr auf der Suche. Ich war angekommen - bei dir.
Loveline
… deine Präsenz ließ mein Herz erbeben.
„Zieh dich aus“, sagtest du leise.
Ich sah die Glut in deinen Augen, dein Verlangen nahm mir den Atem.
„Ich fließe für uns, Liebster.“
Da stand ich nackt vor dir. Du berührtest sanft meine Brust, die Höfe und Spitzen.
„Küss mich“, bat ich. Deine Küsse vibrierten.
Die Lustsäule stieg in mir auf und breitete sich wellenförmig aus. Völlig überschwemmt presste ich mich an dich.
„Dreh dich um“, bedeutetest du mir.
Ich drehte mich in deinen Armen und spürte deine Hand auf meinem unteren Rücken.
Du bliebst da, geschmeidig fanden wir in die Verbindung. Unser Atem zeigte uns den Weg, wir überließen uns unserer Liebeskörperweisheit.