“We always find something to give us the impression we exist?” Samuel Beckett
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Helene Gala Dmitrievna war kaum volljährig, als sie 1916 nach Paris kam, um Paul Éluard zu heiraten. Sie erklärte: „Ich werde alles tun, aber ich werde aussehen wie eine Frau, die nicht arbeitet.“
Max Ernst bewunderte Galas Beischlaftalent. Ermutigt von Paul Éluard, ließ er sich auf eine Ménage à trois ein.
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„Ich habe die Macht stets genossen, die ich über Männer hatte. Einfach nur die Straße entlangzugehen, und meinen mandolinenförmigen Hintern vor ihren Blicken zu schwingen.“ Erica Jong
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1897 konvertiert Isabelle Eberhardt in Annaba (Algerien) zum Islam. Sie verkleidet sich als Mann, schleicht sich in der Kavallerie ein und zirkuliert als Si Mahmoud Saadi. Im Juni 1901 kommt der Matrose Pierre Mouchet in Marseille an – und entpuppt sich als Isabelle Eberhardt. Verdächtigt wegen Spionage und Insubordination, erwartet die Agentin ihres eigenen Lebensstils sehnsüchtig ihren Verlobten. Sechs Monate später holt sie das Elend in der Kasbah von Algier ein. Als Frau eines mittellosen Algeriers bleibt ihr nur Luft und Liebe. Eberhardt schreibt, obwohl sie von Hunger gequält wird. Ihre Beschreibungen zeigen die ärmlichen Verhältnisse mit einem Glasur-Effekt. Für die Europäerin sind arabische Nomaden „Eingeborene“, obwohl Eberhardt als Kritikerin kolonialer Zuschreibungen bekannt ist.
Sie gibt ihrer Heldin ein Schicksal, das von allen wahrscheinlichen Verläufen abweicht. Yasmina wird dem einäugigen Mohammed Elaour versprochen. Jener hat Schwierigkeiten, den Brautpreis aufzubringen. Die Hochzeit verzögert sich, und Yasmina erfüllt ihre töchterlichen Pflichten als Hirtenmädchen. So wird sie von Leutnant Jacques, einem Haudegen aus den Ardennen gefunden: in einem glühenden Wacholderhain. Er wird in ein algerisches Hirtenstück hineingezogen, das nach einem Maler schreit. Yasmina flieht vor ihm, „sie floh vor dem Feind ihres besiegten Volkes“.
Der Offizier baut eine Brücke der Sehnsucht zu der Verschwundenen. Er erkennt sofort, was von Lumpen verschleiert wird: einen scharfkantig-mystischen Charme, den Jacques ethnologisch mit dem synkretischen Islam zivilisationsfern lebender Stämme verbindet. Yasmina dient nun seinem Exotismus.
Beim Frühstück - Porridge, Toast, Orangenmarmelade - saß nur noch ein älteres Paar in der Frühstücksecke. Es war schon fünfmal auf der Insel gewesen. Mit ihrer Zuneigung standen sie auf verlorenem Posten. Festländischen Sentimentalitäten interessierten die Wirtin nicht. Wir redeten über das Wetter, den Fährbetrieb, ein Dasein ohne Kino und Theater. In Kilronan, dem Hauptort auf Inis Oírr, lebten weniger als dreihundert Einheimische.
Die Wirtin zeigte uns eine Schublade voller Seesterne, Krötenschnecken und Walrosszahnsplitter. Besonders gefielen mir ihre hölzernen Bücher. Die Buchrücken aus Rinde, die Titel enthielten Samen, Früchte und Blätter überseeischer Bäume.
Ich suchte einem Vorwand, um dich abzuschütteln. Zum ersten Mal ging ich meiner Wege allein. Ich verzog sich an den Strand, schloss die Augen und verlor mich in der Betrachtung sexueller Nachbilder, die nichts mehr mit dir zu tun hatten. Stattdessen wirkte sich Goya zwingend aus. Eine Hundeschnauze stupste mich erkundend an, widerwillig verließ ich das Traumschloss meiner Sehnsucht. Möwen stürzten ins Wasser. Kinder stolperten hinterher. Ich entdeckte ein blankes Schulterblatt in einem Muschelnest. Tang nistete in Felsspalten, als wüchse er dort. Treibholzsammler weideten den Strand ab. Eine Sandburg erhob sich und erzählt von erwachsenem Ehrgeiz. Vögel untersuchten eine schleimige Algenverbindung. Müll wurde zunehmend häufiger zur Falle für Fische.
Ich erreichte ein steinernes Gebäude, verfallen, aber noch als Unterschlupf nutzbar. Erde hatte sich auf dem gebrochenen Dach abgesetzt und bildete ein eindrucksvolles Fundament. Ein Werk der Natur, das aussah, als sei es von Menschen gemacht. Es unterscheidet sich in seinem Wesen kaum von neolithischer Architektur und diente als Unterstand für Schafe.
Ich fotografierte Primeln, Schlüsselblumen und Nelken. Das Meer übertraf sich selbst in einem Farbspiel zwischen Smaragd und Aquamarin. Der Himmel war dramatisch. Die Horizontlinie schwarz. Eine Spange steckte im Geröll. In Inselhaushalten sind Küchentischschubladen Depots für mittelalterliche Fibeln, die vor jeder offiziellen Grabung aus der Erde gezogen oder gegen Fußballbilder getauscht wurden.
Das Licht verschwand in Wolkenfalten.
Der Himmel öffnete sein graues Maul. Bald darauf erleuchtete eine gotische Kuppel strahlende Wolken. Starrwüchsige Kiefern säumten einen Pfad. Ein Nest klebte an der Trennmauer eines Landvorsprungs. Die Felsnadel sah aus wie der Old Man of Storr als Kind.
„Der Old Man of Storr ist eine 48 Meter hohe Felsnadel auf der schottischen Insel Skye, die zu den Inneren Hebriden gehört.“ Wikipedia