Der Mann mit dem Riff auf dem Arm
Axel Buether beschreibt Farben als „das größte und leistungsfähigste Orientierungssystem der Natur“ - besonders dort, wo andere Sinne versagen, etwa in dichten Korallenriffen mit hoher Artenvielfalt.
Er führt aus:
„An der Buntheit der Natur zeigt sich das Maß an Biodiversität ... Die Lebensräume mit dem größten Artenreichtum und der größten Farbenvielfalt der Erde sind die tropischen Regenwaldgebiete und die Korallenriffe.“
In tropischen Meeren übernehmen Farbmuster entscheidende Funktionen: Art- & Partnererkennung. Leuchtende Muster ermöglichen Fischen und Polypen, sich in der komplexen Umgebung richtig zu orientieren. Soziale und sexuelle Signale - Männliche Buntbarsche zeigen sich in orangeroten Zeichnungen. Weibchen bevorzugen diese Farben. Buether illustriert, wie die Farben helfen, in diesem „visuellen Minenfeld“ von Begegnungen, Feindseligkeit und Nahrung den Überblick zu behalten. Tasten, Riechen oder Hören reichen nicht aus. Zitate aus ‚Die geheimnisvolle Macht der Farben‘
Wir saßen vor einem Pub auf dem Trottoir. Du hattest Bier bestellt, zwei Pale Ales in beschlagenen Gläsern. Auf der Karte stand „Reef or Beef“ mit Pommes. Ich nahm den Fisch. Du den Burger.
Der Pub war eine Queensland-Pittoreske mit einer Schwarzweißfotosammlung von posierenden Anglern, einem legendär ramponierten Didgeridoo und einer wandbreiten Karte des Korallenmeers. Gespielt wurde australischer Rock auf der Midnight Oil-Schiene.
Wir hatten uns gerade geliebt, ich glühte noch oder schon wieder vor. Da war etwas, das den Liebestau in meiner Mitte näherte … eine Lust am Leben, die im Outback Fahrt aufgenommen hatte. Ich trug einen kurzen Rock und ein enges Top. An deinem Blick erkannte ich, dass dein Verlangen nicht versiegt war.
Begehren als Erkenntnisform
Nana erobert keine Orte, und sie sammelt keine Männer als Trophäen. Sie lässt sich durchqueren – von Landschaften, von Begegnungen, von Intensität. Jede Reise hat ihre eigene Physik, und jeder Mann gehört zu genau dieser Konstellation aus Zeit, Körper und Raum. Es gibt keine Hierarchie zwischen ihnen, kein Ranking, keine nachträgliche Synthese. Entscheidend ist Resonanz.
Nana rechtfertigt sich nicht. Sie erklärt nichts, entschuldigt sich nicht, übersetzt ihre Intensität nicht in moralische Kategorien. Die Erfahrungen erscheinen weder als Bekenntnisse noch als Ansprüche. Sie sind einfach da. Gerade diese Weigerung, sich erzählerisch zu legitimieren oder gefällig zu machen, verleiht dem Text seine stille Autorität. Er traut der Leserin, dem Leser zu, Ambivalenz auszuhalten, Übergänge zu akzeptieren, ohne nach Auflösung zu verlangen.
Begehren ist weder Ablenkung noch Exzess. Es ist eine epistemische Haltung. Im Begehren nimmt Nana präziser wahr. Atmosphären verdichten sich, Landschaften beginnen zu sprechen, Körper werden zu Orientierungsinstrumenten. Jede Beziehung öffnet einen anderen Weltzugang. Mit jedem Mann wird etwas anderes möglich.
Die Männer fungieren als relationale Körper, als Katalysatoren, nicht als Zentren. Was bleibt, ist Nanas Fähigkeit, Allianzen einzugehen – erotisch, intellektuell, energetisch –, ohne sich darin zu verlieren. Ihre Produktivität, ihre Klarheit, ihre Offenheit nehmen zu, statt sich zu verengen. Bindung beschränkt sie nicht, sie setzt Kräfte frei.
Diese Form des Erzählens fordert ihr Publikum. Sie setzt Reife voraus, eine Toleranz für Widersprüche, ein Interesse an Schwellen statt an Ergebnissen. Sie bewegt sich im Dazwischen: zwischen Arbeit und Leben, Autonomie und Verbundenheit, Bewegung und Stillstand. Darin liegt ihre Souveränität.
Am Ende schlägt Begehren als Erkenntnisform vor, dass Erkenntnis nicht nur aus Distanz, Analyse oder Kontrolle entsteht. Sie kann ebenso aus Nähe erwachsen, aus Resonanz, aus dem Mut, sich affizieren zu lassen. Begehren wird zu einer Weise, die Welt zu verstehen, und an ihren beweglichen Rändern die Flügel des Begreifens aufzuspannen.