Der Bauch als Kraft- und Ausdauerzentrum
Die ventrale Rumpfmuskulatur - bestehend aus Rectus abdominis, Obliquus externus und internus sowie Transversus abdominis - ist evolutionär auf kontinuierliche, rhythmische Belastung ausgelegt. Sie stabilisiert die Wirbelsäule, überträgt Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper und absorbiert Bewegungsenergie, Funktionen, die bereits bei frühen Tetrapoden für Kriechen und Schwimmen wichtig waren.
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Vor rund 400 Millionen Jahren entwickelten die ersten Tetrapoden eine Fortbewegung, die auf rhythmischen Schwingungen, spiralförmigen Kraftketten und Faszienzügen basierte. In dieser horizontalen Welt war die kinetische Kette nahezu geschlossen. Kräfte wurden effizient über Muskeln, Sehnen, Faszien und Gelenke weitergeleitet, Bewegungen waren organisch, resonant und ökonomisch.
Die ventrale Rumpfmuskulatur – bestehend aus Rectus abdominis, Obliquus externus und internus sowie Transversus abdominis – ist evolutionär auf kontinuierliche, rhythmische Belastung ausgelegt. Sie stabilisiert die Wirbelsäule, überträgt Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper und speichert Bewegungsenergie, Funktionen, die bereits bei Tetrapoden für effizientes Kriechen und Schwimmen entscheidend waren.
Heute existieren wir in der Vertikalen. Dieser Zustand ist ein biomechanisch anspruchsvolles Geflecht voller Brüche, Energieverluste und Kompensationen. In der Vertikalität erreichen wir nie die Effizienz, die unser Körper in der Horizontalen noch immer besitzt. Die muskulären und faszialen Strukturen, die ursprünglich für rhythmische, spiralförmige Bewegungen im Liegen oder Kriechen optimiert wurden, sind weiterhin vorhanden.
Bei frühen Fischen und den ersten landlebenden Tetrapoden war die Fortbewegung stark vom Rumpf abhängig. Segmentale Rumpfmuskeln (Myomere) erzeugten Bewegungen, die den Körper seitlich schlängelten. Das sehen wir bei Schlangen. An Land mussten die Rumpfmuskeln zusätzlich das Körpergewicht gegen die Schwerkraft stabilisieren.
Die ersten Tetrapoden hatten zwar Gliedmaßen, nutzten aber die Bauch- und Rumpfmuskeln weiterhin zur Fortbewegung.
Menschliche Bauchmuskeln (Rectus abdominis, Obliquus, Transversus) sind heute nicht primär Antriebsorgane, sondern Stabilisatoren. Sie übertragen Kräfte zwischen Ober- und Unterkörper, halten die Wirbelsäule stabil und ermöglichen effiziente Bewegungen. Im sportlichen Sinne wirken sie durchaus als Ausdauerorgan, da sie ständig aktiv sind - beim Gehen, Laufen, Sitzen, Atmen. Sie arbeiten oft isometrisch (haltend).
Energieabsorption und Kraftübertragung
Bei den ersten Tetrapoden mussten die Bauchmuskeln zusätzlich Gewicht gegen die Schwerkraft tragen, während sie weiterhin als Ausdauerorgan funktionierten. Dieselben Muskeln, die beim Schwimmen für kontinuierlichen Vortrieb sorgten, übernahmen eine Doppelrolle - Fortbewegung und Stabilisierung. Die lateralen und ventralen Muskelketten bildeten ein kontinuierlich energieabsorbierendes System entlang des Körpers. Jede Bewegung erzeugt Kräfte, die nicht nur im Muskel selbst verbraucht, sondern auch über Sehnen, Faszien und Bindegewebe auf die angrenzenden Segmente verteilt wurden.
Der Übergang vom Wasser zum Land erhöhte die Belastungen. Muskeln, die zuvor ausschließlich für den Vortrieb im Wasser zuständig waren, mussten zusätzlich das Gewicht des Körpers gegen die Schwerkraft tragen. Seit Tetrapoden vor rund 360 Millionen Jahren an Land gingen nutzen alle Lebewesen dasselbe körperliche Kraft- und Energiesystem. Core-Muskulatur und Faszienketten bilden ein netzartiges System, das Kräfte absorbiert, speichert und weiterleitet. Jede Bewegung wird über dieses Netzwerk verteilt, wodurch wir stabil stehen, laufen, springen und komplexe Bewegungen ausführen können. Die Evolution hat dieses System verfeinert. Wir nutzen elastische Elemente wie Achillessehnen, Beckenrotation und federnde Fußgewölbe, um Energie zu sparen und Belastungen abzufedern.