Stierkämpfe in der Camargue
1794 berichtet Thunderbolt von Stiergefechten in der Camargue. Er zählt zur Entourage eines mediatisierten Fürsten, der sich aus dem Abstieg viel weniger macht als seine Trabanten, die mit den Schranzen anderer Verlierer um Distinktionsgewinne im Millimeterbereich feilschen. Heruntergekommene Aristokraten leben nun als Berufsspieler und Kaskadeure zwischen Pferden und Stieren und einem sehr eigenen, dem Wesen der Bukaniere verwandten Schlag im provencialischen Auenreich.
„Dem französischen Granden ist nur ein Anschein von Geltung geblieben. Der gemeine Mann buckelt gleichwohl vor ihm aus grauer Gewohnheit.“
Thunderbolt bemerkt natürliche Amphitheater, die von Eidechsen bespielt werden wie zur Erinnerung an ihre gigantischen Vorgänger: „Die Motivlieferanten für die Albträume der Menschheit.“ In dieser Gegend fasst keine Regierung Fuß. Familienväter geben sich bieder als Fischer und Züchter aus. Ihre wahre Profession erschöpft sich im Widerstand gegen das Fremde, es sei denn, es kommt ihnen gelegen wie diese Grafen und ihre Kleinstaaten im Stil wandernder Zirkusse. Wo sich die Verjagten niederlassen, wird ein Spielbetrieb aufgezogen.
„Entweder du verlierst alles an den Tischen oder ein Mädchen hakt sich ein, was aufs Gleiche hinausläuft.“
Thunderbolt ist ein Mann mit enzyklopädistischem Schwung. Er wähnt sich vom Fortschritt verhaftet und hält die Enträtselung der Welt für so unvermeidlich wie ein Sektierer die umgehende Ankunft des Jüngsten Gerichts. Inzwischen sind die ersten Robespierristen auf der Flucht vor dem eigenen Terror. In der Camargue treffen sie untergetauchte Indulgenten, die von Dantons Tod am 5. April gewarnt wurden. Alle wissen von desaströsen Wahlbeteiligungen. Ein paar tausend Aktivisten besorgen das Demokratiegeschäft der Bürger bei absoluter Entbehrung von Achtung. Das Volk ist zwar nach revolutionärer Auffassung rein, aber unaufgeklärt, während ehedem hohe Personen vom Lauf der Geschichte gelangweilt an Strohhalmen saugen.
Der Republikaner Thunderbolt begleitet Angehörige des hingerichteten Ludwigs nach Calais. Er reist verwundert über die Nonchalance der verkleidet Emigrierenden. Niemand hat damit gerechnet, dass sich die Revolution so hinzieht. Jeder erwartet Diversion in seinem Fall, trotz des blutigen Unmuts jakobinischer Politik.
Woher nehmen die Leute ihren Mut? Liegt es in ihrem Blut, leichtsinnig das Beste anzunehmen, wenn schon die Annahme von der Wirklichkeit widerlegt wurde? Thunderbolt korpulenzt darüber in Artikeln. Er kommt zu dem Schluss, dass der Adel aus Erfahrung entspannt. Der Adel glaubt nicht an die Macht des Volkes, wie sehr es sich auch aufführt. Er wartet auf den nächsten Caesar, der es praktisch finden wird, die alten Eliten zu reaktivieren.
Thunderbolt erzählt die Fluchtgeschichte als eine Wallfahrt von Invaliden, die kaum stehen und schon gar nicht gehen oder reiten wollen. Sie liegen mehr als sie sitzen in der Kutsche und erwarten alles auf einen Fingerdeut hin. Interessanter noch findet der Amerikaner, dass sie es auch kriegen von einer Dienerschaft, die stolz darauf ist, seit Jahrzehnten der wallfahrenden Herrschaft zu gehorchen.