Du bist die Welt für mich
Der Lavendel blüht überreich, die Kapuzinerkresse sprießt. Zwischen Pfingstrosen und dem alten Weidenzaun wird der Garten in der Dämmerung zum Schutzraum ihrer Liebe. Sie lieben sich wie am Tag ihrer ersten intimen Begegnung, so fundamentalistisch. Das Weibliche und das Männliche in idealen Varianten und in einem Idealraum.
„Du bist mein Zuhause“, sagt sie schlicht.
In ihnen tobt ein Sturm aus Lust, Verlangen und tiefer Bindung. Wieder führen sie sich gegenseitig über ihre Grenzen - um in der Schwerelosigkeit zwischen Ekstase und Katharsis zu schweben. Marion will nicht, dass es aufhört. Nicht einen Moment.
Sie liegt auf Simon, der Körper schweißnass, zitternd, erschöpft - und doch schon wieder voller Verlangen. Ihre Finger fahren über seinen trainierten Thorax, so zärtlich, so ehrfürchtig, als würde sie einen Schatz berühren, der nur ihr gehört.
„Bitte“, flüstert sie, ihre Lippen an seiner Haut. „Ich will mehr.“
Triumphierend stellt er fest:
„Du bist süchtig nach mir.“
„Ich bin besessen von dir, Liebster. Du bist mein ein und alles. Du bist die Welt für mich.“
Er richtet sich halb auf, nimmt ihr Kinn in die Hand.
„Du willst, dass ich dich so an mich binde, dass du nie wieder an einen anderen denken kannst?“
„Ich kann es doch jetzt schon nicht mehr“, haucht sie.
*
Der Geschmack von Mango und Kokos auf Marions Lippen, während Simon an einem Rhabarberspritz nippt. In seiner Sonnenbrille spiegelt sich Tannendunkelgrün im Abendlichthimmel. Marion legt ihre nackten Beine auf Simons Oberschenkel, lehnt sich an seine Schulter, schiebt die Hände unter sein Shirt und lässt ihre Finger auf seinem steinharten Bauch kreisen. Sie saugt die Luft ein wie ein Duftgedicht. Sie unterscheidet Harz von Heu und einer anmutigen Schweißspur. Sie spürt den prallen Körper ihres Liebsten. Er richtet ihren inneren Kompass auf sich aus und steigert ihre Empfänglichkeit, bis sie nur noch von Lust beherrscht wird.
„Du lädst mich auf wie eine Batterie“, murmelt sie. Die Theatralik des Abendrots ... entschieden nimmt Marions Simon Hand und führt ihn zu einem Findling, von Moos bewohnt, halb verborgen unter einer Buche.
„Hier“, verlangt sie und küsst ihn mit lockender Zunge. Er erwidert den Kuss mit göttlicher Gelassenheit. Da löst Marion ihr Haar wie im Märchen und schiebt ihr Kleid über die Schultern. Es fällt wie ein Schleier ins Gras. Sie ist gleich nackt. Simon kniet vor sie, legt die Stirn und Hände an ihre Hüfte. Marion legt eine Hand auf seinen Scheitel, atmet tief in den Brustraum, schwingt ein Bein über ihn und setzt sich auf ihn. Nichts Eiliges und nichts Heimliches geschieht. Sie gehört ihm, so wie er ihr gehört. Er schließt ihren Po in seine Hände und berührt ihre Mitte mit seiner Zunge.
Lass uns noch einen Augenblick dableiben, wo die Energie am dichtesten ist - beim Findling zwischen Erdung und Ekstase, Himmel und Haut. Da dreht sich Marion in Simons Armen und beugt sich vor.
„Liebster“, sagt sie, „bitte, ich möchte alles für dich sein.“
Simon dient ihrer Hingabe mit virtuoser Zärtlichkeit. Er öffnet ihre Schleuse, als hätte er die Technik aus einer vergessenen Schrift gelernt; als besäße er die Formel für ihren Schmelzpunkt.
*
In ihrem Garten wachsen Ringelblumen, Minze, wilde Rosen. Zwischen Marion und Simon gibt es nichts Alltägliches, keine Gewohnheiten im üblichen Sinn - ihr Zusammensein ist Spiel, Ritual, Gebet, ein Tanz aus Licht und Wärme.
Auf einem Grat zwischen Ekstase und Weihe lassen sie sich glühen.
Ein seidiger Morgen. Nebel über der Ederaue. Simon steht im Garten, barfuß im Tau, sein Rumpf nackt, der Blick verliert sich in der Pampa. Marion tritt zu ihm. Sie trägt nur ihren leichten Morgenkimono, der sich bei jedem Schritt wie ein Atemzug öffnete. Sie stellen sich einander gegenüber, lassen die Schultern sinken und beatmen den Unterbauch. Und dann beginnt es. Fließend und synchron.
Einatmen, die Hände heben, als würden sie den Himmel tragen. Ausatmen, die Arme senken, als seien sie Wind. Der Qi-Fluss zwischen ihnen ist sichtbar wie ein Lichtband. Marion verkürzt den Abstand und küsst Simon wie eine Rose ihre Knospe öffnet. Seine Hände gleiten unter ihren Kimono, finden ihre Hüften, finden seine Heimat. Marion lässt den Stoff von ihren Schultern rutschen. Sie ist nackt.
„Du bist mein Qi“, flüstert sie.
Simon kniet vor ihr, küsst ihre Knie, ihre Oberschenkel, ihren Bauch. Er fährt mit der Zungenspitze eine Spirale über ihren Brustkorb. Marion stöhnt und biegt sich ihm entgegen. „Wenn du bei mir bist, bewegt sich das ganze Universum mit uns.“