MenuMENU

zurück

2022-05-29 06:13:39, Jamal Tuschick

#freekalesnikava

Karlspreis für belarussisches Mut-Trio

Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und Maria Kalesnikava - ihre Schwester Tatsiana Khomich vertrat die Inhaftierte - wurden am 26. Mai mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet.

„Es ist mir eine persönliche und außergewöhnliche Ehre, auf die mutigsten Frauen in ganz Europa die Laudatio halten zu dürfen.“ Annalena Baerbock, Quelle

Dorota Danielewicz liefert den Titel zu dem historischen Augenblick. Ihre Dokumentation „Der weiße Gesang. Die mutigen Frauen der belarussischen Revolution“ würdigt u.a. die in Aachen geehrten Ikonen des Widerstands gegen Aljaksandr Lukaschenkas Repressionsregime.

Imperialistischer Impetus

„Wer sich nicht engagiert, wird engagiert.“ Heiner Müller

Die Ereignisse in Belarus nach der Wahl 2020 erhalten ihre historische Signatur im Brandschatten des auf ukrainischem Boden tobenden russischen Angriffskriegs. Mit dieser unsäglichen Volte rechnete kein Mensch, als hunderttausende Belarussinnen und Belarussen den öffentlichen Raum zur Agora ihres Protests gegen staatliche Willkür machten und da, nach einem Wort von Hannah Arendt, die Freuden der freien Bürger:innen genossen.

Dorota Danielewicz, „Der weiße Gesang. Die mutigen Frauen der belarussischen Revolution“, Europa Verlag, 202 Seiten, 20,-

Der öffentliche Raum als politische Arena

„Heimisch kann man sich an jedem Ort fühlen.“ Wolha Kawalkowa

Bevor Warschau zu einem Hotspot der ukrainischen Migration wurde, diente die polnische Metropole bereits belarussischen Dissident:innen als Zufluchtsort. Auch Wolha Kawalkowa (geb. 1984 in Minsk) exilierte nach Warschau. Die Juristin und Mitbegründerin der belarussischen Christlich-Demokratischen Partei gehörte in leitender Funktion zum Stab der Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja.

Lukaschenka als postsowjetische Platzhalter- und Übergangsfigur bis zur UdSSR-Renaissance unter Putin

Danielewicz trifft Wolha Kawalkowa in einer Co-Working-Space. Sie begegnet einer von Terminen gejagten Freiheits- und Kulturkämpferin. Für Wolha Kawalkowa perpetuiert Lukaschenka die post-sowjetischen Leitlinien im Geist einer Konservierungsstrategie. Er „verlängert das kommunistische System“; zweifellos in der Erwartung einer Wiederauferstehung des Hegemonen in Putins Gestalt.

Für Kawalkowa unterscheidet sich das gegenwärtige Russland kaum von der UdSSR. Der imperialistische Impetus nährt das politische Feuer.

Bald mehr.

Aus der Ankündigung

Einmaliges Zeugnis des Mutes und der Stärke der Frauen von Belarus, die für Demokratie und Gerechtigkeit in ihrer Heimat kämpfen

Wir alle kennen die Bilder von den Demonstrationen, die nach den letzten Wahlen im August 2020 in Belarus stattfanden. In vorderster Reihe bei den friedlichen Protestaktionen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit: viele, meist junge Frauen aus allen Schichten – darunter Journalistinnen, Studentinnen, Juristinnen, Sozialarbeiterinnen und Lehrerinnen. Mutig sahen sie den sie umzingelnden Polizisten in die Gesichter, ließen sich nicht einschüchtern – auch nicht nachdem zahlreiche von ihnen verhaftet, verhört, misshandelt und des Landes verwiesen wurden. In Der weiße Gesang erzählen einige von ihnen ihre Geschichte, treten heraus aus der Anonymität der Masse. Sie lassen uns teilhaben an den Ereignissen und ihren persönlichen Erfahrungen der letzten Monate, an ihrem Aufbegehren, ihren Zielen, ihrem Leben im Exil.

Der sogenannte weiße Gesang ist eine archaische, volkstümliche Gesangstechnik der osteuropäischen Frauen, die es auf eine besondere Art ermöglicht, den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ihre Lieder spiegeln dramatische Ereignisse aus dem Leben der Frauen wider. Die Stimme, die beim weißen Gesang erzeugt wird, kommt direkt aus dem Solarplexus und nutzt die Resonanzräume des Körpers. Sie ist rein und wild – so wie die Geschichten der unerschrockenen, couragierten Belarussinnen, die in diesem Buch zu Wort kommen.

Zur Autorin

Dorota Danielewicz ist in der deutschen Literaturszene bekannt. Sie lebt seit ihrem 16. Lebensjahr in Berlin, war fast 20 Jahre lang als Rundfunkjournalistin für den RBB tätig und hat in deutschsprachigen Zeitungen publiziert. Ihr erster Roman Auf der Suche nach der Seele Berlins erschien 2014, ihr Buch Der weiße Gesang über die mutigen Frauen in Belarus im Frühjahr 2022, beide im Europa Verlag.