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2022-05-26 08:11:36, Jamal Tuschick

Radialsystem Berlin

Das ID Festival bittet zur großen Schawuot-Feier: 2022 fallen das christliche Pfingsten und das jüdische Erntedankfest Schawuot, das die (Um)Gründung des israelitischen Volkes mit dem Empfang der Thora am Berg Sinai markiert, auf ein und denselben Tag, den 5. Juni. Grund genug für das israelisch-deutsche Festival, den Austausch zwischen den Kulturen zu feiern – etwa mit der visionären Kraft der mehrsprachigen Literatur weit jenseits gängiger Übersetzungsmaschinen oder mit der Umwandlung von Poesie in Musik. Oder, wenn der Fotograf Benyamin Reich in Ausstellung und Diskussion Lust auf Heiligkeit macht. Als Höhepunkt des Abends kreiert der israelische Rockstar Eran Zur – erstmals zu Gast auf einer deutschen Bühne – gemeinsam mit weiteren Größen der israelischen Musikszene einen Mix aus Poesie, Rock, Indie Folk und klassischer Moderne. Im Kultursalon im Stil der frühen jüdischen Salons geht mit Live-Malerei, den gefragtesten Alternative-Jazz-Acts der jungen Tel Aviver Musikszene, mit Afro Beat, Electronic, Funk und traditionellen Schawuot-Speisen und –Getränken ein Tag voller Begegnungen zu Ende.

© Luca Bogoni

Pressetext

MIFGASH II: Begegnungen zwischen den Sprachen mit Mati Shemoelof

Von der visionären Kraft der mehrsprachigen Dichtung

Die Migration in ein neues Land setzt in der Regel mehrere Prozesse in Gang: die Herabstufung der Hauptsprache der Migrant:innen zu einer Minderheitensprache, die Notwendigkeit ständiger Übersetzungen und auch den Eintritt in eine neue Existenz, denn Wörter, Begriffe und Konzepte müssen neu definiert werden, wenn ihre Bedeutungen in der Kultur beziehungsweise dem Sprachspiel der Kultur liegen, in der sie verwendet werden. Migration ist nicht nur die Erfahrung von Migrant:innen. Auch Menschen, die in eine Familie mit Migrationserbe hineingeboren werden, erfahren Migration im transgenerationalen Vermächtnis. Selbst Menschen ohne Migrationserfahrung können im direkten Kontakt einen Einblick in die einzigartige Geisteshaltung bekommen, die aus der Migrationserfahrung heraus entsteht.

Quelle

Beschäftigen wird sich die Schreibwerkstatt gezielt mit dem visionären Konzept der mehrsprachigen Dichtung. Die hier vorgestellte Schreibtechnik ist nicht an eine bestimmte Sprache gebunden, auch wenn der Schwerpunkt auf Hebräisch und Deutsch liegen wird. Mithilfe der Überschreitung der Sprachgrenzen soll versucht werden, die besondere Erfahrung von Menschen mit Migrationserfahrung nachzuempfinden. Auf diese Weise möchten wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zu Toleranz und Verständigung zwischen den Menschen und zur Erhaltung unserer blühenden kulturellen Vielfalt vorschlagen.

Über die MIFGASHIM Serie

Mit der Reihe MIFGASHIM lädt das ID Festival 2022 zu fruchtbaren Begegnungen ein: Begegnungen zwischen den verschiedenen Sprachen und Kulturen, zwischen verschiedenen Religionen und zuallererst Begegnungen zwischen den Menschen. So können sich die Besucher:innen auf ein Treffen mit führenden Figuren der jungen israelischen Community in Deutschland freuen.

Save the date: So 5. Juni 14:30/Diskussion & Schreibwerkstatt/Radialsystem Studio C/Tickets: MIFGASH II 8 | 5 €/KOMBITICKET MIFGASHIM 18 | 12 €/Sprachen: Deutsch, Hebräisch, Englisch & andere Sprachen

“Ich bin juden dichtar”/Mati Shemoelof

Ish shraibe hebre’ish

Ein Mann screibt Ivrit

du fragst warum shraibe ish hebre’ish in Berlin

walla, keine Ahnung,

ish kann nish shraiben gut Inglis oder

naturlish kain gut Deutshn

und ich bin Fremder in Dir

und was du danke, wo ist dein herz, mit mein werte, und wo wohns Du nun zwischen diesen Worten,

ish bin ain Lachmann, ish bin shlecht juden, immigrant von iraq,

ish bin juden, und ish bin arabisch.

Warum kain viele hebre’isch in dein stadt,

aber so viele andre immigrant

ish wais,

ish wais,

und jets, jeden Tag ish frage, das immer fragen,

und du sagt, bitte, wir kann tansen, und nish vergessen, Aber wie soll ich tanzen,

wenn in meinem Bauch eine Torahrolle lodert,

die sich mir nicht verbrennt.

Aus: „Bagdad | Haifa | Berlin” (Berlin: Aphorisma Verlag). 2019. Übersetzung: Dr. Jan Kühne.

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