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2022-04-04 07:44:16, Jamal Tuschick

Die Brüchigkeit der Willkommenskultur

Ein Jahr vor der Geburt des Autors verlässt seine Familie Serbien. Sie flieht vor ständiger „Diskriminierung und Verfolgung“. In Deutschland empfängt man die Geflüchteten 1977 mit salbungsvollen Worten. Doch schon bald beginnt eine Dämonisierung des „Lumpengesindels, (der) Kinderklauer und Wäschediebe“.

„Die weißen Kinder spielten nicht mit uns.“

Besorgte Bürger:innen gab es schon damals“, erinnert sich Gianni Jovanovic an eine Kindheit in Rüsselsheim und Darmstadt. Er wächst stigmatisiert auf. Das Milieu seiner Herkunft steht unter Generalverdacht. Man unterstellt Jovanovics Angehörigen einen Alltag mit „okkulte Rituale“. Kauft die Familie ein Schwein beim Bauern, um es am Spieß zu braten, interpretieren ressentimentgeladene Mehrheitsgesellschafter:innen eine herkömmliche Praxis als exotisches „Tieropfer“.

Gianni Jovanovic, Oyindamola Alashe, „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“, Erzähltes Leben, Blumenbar, 20,-

Devianz wird mit Delinquenz gleichgesetzt. Es gibt kaum eine Chance, sich positiv zu individualisieren und die negative Fremdwahrnehmung zu entkräftigen.

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Das Verhältnis von Sprache und Macht ist dämonisch. Die Sprache legitimiert erst auf einem Kurs der Degradierung die Versklavung und den Mord und lässt dann Gras über den Verbrechen wachsen. Darauf wies Jovanovic bei einer Veranstaltung im Aufbau Haus hin. Sich selbst bezeichnet er als „mehrfach marginalisiert“. Als schwuler Rom erlebte und erlebt er doppelte Ausgrenzung. Repräsentanz gab es für Jovanovic lange noch nicht mal in den Hinterzimmern der Randgruppengremien. Verarbeitungsprozesse, die normalerweise von Generationen gefedert werden, gingen ohne kulturelles Warm-up über die Bühne eines Lebens. Als Kind wehrte sich Jovanovic gegen sich selbst, wollte ein richtiger Z… sein. Mit vierzehn zwang man ihn in eine Ehe mit der dreizehnjährigen Julijana. Die Heranwachsenden ergaben sich als Geiseln einer Ordnung, die sie gegen das feindliche Außen abschirmte. Erst als Vater von zwei Kindern wagte Jovanovic die Veröffentlichung seiner Homosexualität. Die Familie zeigte sich der Offenbarung nicht gleich gewachsen.

Pressetext

»Wir sind die Kinder der kleinen Mehrheiten. Unsere Stimmen müssen in der Gesellschaft gehört werden.«

Was für eine Geschichte! Gianni Jovanovic hat mit 43 Jahren mehr erfahren als andere in ihrem ganzen Leben: 1978 in Rüsselsheim geboren, erlebten er und seine Familie immer wieder rassistische Anfeindungen. Mit 14 verheirateten seine Eltern ihn. Mit 17 war er bereits zweifacher Vater, Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als schwul. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seinem Ehemann zusammen, zweifacher Großvater und die wohl bekannteste Stimme der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland.
Gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe erzählt er diese Geschichte einer Selbstermächtigung und entwirft dabei auch seine Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft. Gianni Jovanovic' Geheimwaffen: Charme und Humor. Besonders auch dann, wenn es weh tut.

»Gianni Jovanovic sprengt Erwartungen auf wundervolle Weise! Er kann eine Sache so gut wie kein anderer: Ambivalenzen zulassen, ohne Scham, ohne Beschönigung. Dabei ist er alles andere als zynisch, sondern ansteckend lebensbejahend.« Alice Hasters

»Mit diesem Buch hat Gianni Jovanovic sich noch mal selbst übertroffen. Mit jedem Satz, den ich gelesen habe, konnte ich mehr Verständnis für sein Leben und seine Herausforderungen gewinnen.« Louisa Dellert

»Diese fast unglaubliche Geschichte muss gelesen werden. Wie aus einem Menschen, der so viel Ablehnung und Gewalt erleben musste, ein Streiter wurde für Toleranz, Vielfalt und Herzlichkeit.« Bettina Böttinger

Aus der Ankündigung

Gianni Jovanovic ist die wohl bekannteste Stimme jüngerer Roma und Sinti in Deutschland. Seine spektakuläre persönliche Geschichte hat er nun gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe aufgeschrieben: Gianni Jovanovic hat mit 43 Jahren mehr erfahren als andere in ihrem ganzen Leben -- 1978 in Rüsselsheim geboren, erlebten er und seine Familie immer wieder rassistische Anfeindungen. Mit 14 verheirateten seine Eltern ihn. Mit 17 war er bereits zweifacher Vater, Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als schwul. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seinem Ehemann zusammen, zweifacher Großvater und die wohl bekannteste Stimme der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland.

All das erzählt „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“. Es ist die Geschichte einer Selbstermächtigung und darüber hinaus die Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft. Gianni Jovanovic' Geheimwaffen: Charme und Humor. Besonders auch dann, wenn es wehtut.

Gianni Jovanovic gilt als eine der lautesten Stimmen der Rom*nja und Sinti*zze-Community. Außerdem kämpft er innerhalb der LGBTQI+-Community für die Rechte von Schwarzen Menschen und People of Colour. Er sagt: „Wir sind die Kinder der kleinen Mehrheiten. Unsere Stimmen müssen in der Gesellschaft gehört werden.“ Mehr zum Autor finden Sie hier: www.gianni-jovanovic.de, Instagram: @giannijovanovic78, Facebook: @giannijohannesjovanovic.

Zur Autorin

Oyindamola Alashe, geboren 1978, ist Journalistin. Zur ihren Schwerpunktthemen gehören Bildung, Inklusion, Gesundheit und Familie. Die alleinerziehende Mutter organisiert seit Jahren antirassistische Projekte und unterstützt Aktivist*innen der LGBTQI+-Community. Mit Gianni Jovanovic verbindet sie eine innige Freundschaft.
Oyindamola Alashe ist in den USA geboren. Sie ist im Ruhrgebiet und in Köln aufgewachsen. Außerdem lebte sie in Paris (Frankreich) und Yaoundé (Kamerun). Heute sagt die Schwarze Frau über sich selbst: „In Deutschland war es lange eine Überlebensstrategie, mich anzupassen. Aber ich will kein angepasstes Leben.“

Zum Autor

Gianni Jovanovic, geboren 1978, ist Unternehmer, Aktivist und Performer. Er ist der Sohn einer Roma-Familie und seine Biographie ist geprägt von grausamen Diskriminierungs- und Rassismus-Erfahrungen. Als er 14 Jahre alt war, arrangierten seine Eltern eine Hochzeit mit einem gleichaltrigen Mädchen. Kurze Zeit später wurden die Beiden Eltern eines Sohnes und einer Tochter. Doch mit Mitte 20 bekannte sich Gianni Jovanovic zu seiner Homosexualität und brach zumindest zeitweise mit seiner Familie. Inzwischen ist er zweifacher Großvater und seit fast 17 Jahren glücklich mit einem Mann verheiratet. Er gilt als eine der lautesten Stimmen der Rom*nja und Sinti*zze-Community. Außerdem kämpft er innerhalb der LGBTQI+-Community für die Rechte von Schwarzen Menschen und People of Colour. Er sagt: „Wir sind die Kinderder kleinen Mehrheiten. Unsere Stimmen müssen in der Gesellschaft gehört werden.“