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2022-01-26 08:04:49, Jamal Tuschick

Für die Mongol:innen ergab sich nach dem Ende der Qing 1911 eine Chance zur Unabhängigkeit. Ein verheirateter Lama namens Bogd Khan wurde zum Herrscher bestimmt - und wieder abgesetzt, als die Chines:innen zehn Jahre später ihren Machtanspruch aufleben ließen. Ein deutschbaltischer Baron überrannte die Usurpatoren mit einer Division berittener Barguten, der Mann stand für den ermordeten Zaren gerade. Er hatte okkulte Anwandlungen und unterstellte sich sogar seherisches Potential. Er sprach Mongolisch und nannte sich als Steppenfürst Großer Sternenberg.

Bogd Khan schob er zurück auf den Thron. Sich selbst verband er mit einer Prinzessin. Ein halbes Jahr tobte er, gekleidet wie Dschingis Khan, dann holte ihn Damdiny Süchbaatar, Gründer der Mongolischen Revolutionären Volkspartei und Gründungsvater der Mongolischen Volksrepublik, vom Pferd. Wieder war ein Traum zu Ende. Das Ende musste nicht lange überlebt werden.

Skizzieren Sie nun ihre Einfälle zu dem Baron, der sich für die Reinkarnation des großen Khans, wenn nicht für einen Fleisch gewordenen Kriegsgott hielt - und zugleich für einen guten Zaristen.

„Die in der Ferne mögen lauschen; die in der Nähe können es sehen: Ich bin Tsutsui no Jōmyō Meishū, der Priester; der lebt in Miidera. Wer mich nicht kennt, einen Krieger der tausend Männer wert ist? Wer glaubt, jemand zu sein, der komme her und dann werden wir sehen.” Tsutsui no Jōmyō Meishū

Was trennt die lyrische Schilderung einer Person (wie den in einem Jurchtenpalast glänzenden Balten oder den sich zu Recht rühmenden Bushi Tsutsui no Jōmyō Meishū) von ihrer außerdichterischen Beschreibung? Die Scheidung des Poetischen vom Prosaischen führt zu einer Unterscheidung zwischen intuitiver (expressiver) und theoretischer Erkenntnis. Wer nicht Gefahr laufen will, als Dichter verschrien zu werden, muss Zuflucht nehmen zu allgemeinen Begriffen, oder, um es mit Hegel zu sagen, „zur Form des reinen Begriffs verflüchtigten Realität”.