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2022-01-10 06:33:10, Jamal Tuschick

#Gropiusbau/The Cool and the Cold/Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990/Aus der Sammlung Ludwig

Genosse Gott

Vor Wassili Nikolajewitsch Jakowlews Porträt des Marschalls der Sowjetunion Georgij Schukow zitiert Lara den Kunsthistoriker und Philosophen Boris Groys: „Nach Stalins Tod und den Epochen der Ekstase (setzte) sofort eine allumfassende Langeweile“ ein.

Die Ausstellung heißt nicht Traumfabrik Kommunismus. Nicht Good Bye, Lenin. Nicht Nackt für Stalin. Ich erinnere an Stalins Geheimtitel „Genosse Gott“.

Als kolossale Popartprojektion in den Gegenspiegeln artifizieller US-Agenturen des Kalten Krieges sieht der Kommunismus großartig aus. Lara nimmt das persönlich, ich meine, sie passt in das Bild vom großartigen Kommunismus.

Aus dem SPIEGEL vom 28.04. 1969

„In Moskau aber erwartete der Diktator das Symbol des Sieges - so Stalin über Schukow. Ob er eigentlich das Reiten verlernt habe, fragte ihn Stalin, als sich Schukow bei ihm am 19. Juni meldete, Schukow verneinte. Stalin: Gut, Sie werden die Siegesparade abnehmen. Ich rate ihnen, nehmen Sie den Schimmel, den Ihnen Budjonny zeigen wird.

Schukow soll sich zunächst gesträubt haben, aber drei Minuten vor zehn Uhr am 24. Juni 1945 ritt er auf dem Roten Platz unter den Klängen von Glinkas Gloria-Marsch der Feier des Sieges entgegen -- seines Sieges.“

Laras obsolete Sehnsucht nach heißer Gläubigkeit findet in der sowjetischen Malerei probate Memorabilien. Eine Wiederbelebung des sozialistischen Realismus mit viel Heiner Müller hält sie nach wie vor für eine gute Idee.

Ilja Iossifowitsch Kabakow, Geprüft © Jamal Tuschick

Die Revolutionsgeschichte als Roman